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Alles nur geklaut

Bastian | 20/05/2009 | 08:19

Im Online-Geschäft wird geklaut was nicht niet- und nagelfest ist. Klickshows, die aus 100 Folien mit einzelnen Sätzen bestehen, stinken. Wer sich länger im Internet bewegt wird früher oder später mit einer dieser beiden Weisheiten Bekanntschaft machen. Optional surft einfach bei Welt.de vorbei. Dort schaffen es Lina Panitz und ihre Kollegen in ihrem Bericht über den Krankenkassen-Test von Stiftung Warentest beides in einem Beitrag zu vereinen.

Auf sage und schreibe 118 Folien bringt es die Klickstrecke, was nicht nur mich zu einem spontanen Kommentar hingerissen hat. Auch andere Leser fragen sich, ob man bei welt.de schon einmal etwas von Tabellen gehört hat. Das sind diese lustigen Dinger aus Word und Excel, die ein anständiges Content Management System heutzutage sogar direkt aus diesen Programmen importieren kann. Aber wer braucht das schon, wenn man die Klicks pro Nutzer steigern muss?

Die Aufbereitung ist jedoch gar nicht einmal das Schlimmste (und wurde vom Kollegen Niggemeier auch oft genug thematisiert). Richtig derbe ist die Übernahme der Daten von Warentest. Deren Bezug kostet normalerweise Geld (2 Euro für den vollen Artikel) und was die Welt in der Klickstrecke abbildet,  sind nicht mehr und weniger als die vollständigen Daten aus der angehängten Tabelle – dem Herzstück des Berichts von Finanztest. Um das zu verbildlichen habe ich das Dokument einfach mal gekauft und einen Screenshot gemacht.

Ein klarer Ripp-Off, den nach der Kombination aus Text und Klickstrecke besteht eigentlich kaum noch ein Grund, bei den Testern teures Geld für den Bezug des vollständigen Berichts auszugeben. Zumindest wenn einem Übersichtlichkeit egal ist. Denn die eingangs erwähnte Tabelle hat gegenüber der Klickstrecke einen entscheidenden Vorteil: man kann sie dazu benutzen wofür sie eigentlich gedacht ist, den Vergleich innerhalb fest definierter Spalten.

Vielleicht setzen sich die Redakteure bei Welt.de ja noch einmal zusammen und nehmen die Klickstrecke aus dem Netz. Wenn schon nicht aus Rücksicht auf die eigenen Nutzer, dann vielleicht aus Respekt vor dem geistigen Eigentum anderer. Ich gehe schließlich auch nicht morgens zum Kiosk und scanne die Printausgabe der Welt ein, um sie dann als Klickshow in meinem Blog anzubieten. Aber Moment mal: hier könnte sich das sogar lohnen. Nicht finanziell, sondern inhaltlich. Auf den einzelnen Folien gäbe es wenigstens was zu lesen ;)

//Nachtrag:

Es geht noch dümmer, obwohl ich das eigentlich nicht wahrhaben möchte. In einem Artikel über Verkaufsautomaten für Gold hängt eine Klickstrecke, die Gold in Relation zu Währungen setzt. Als Beschreibung heißt es dort lapidar: “So viel haben die Währungen seit der Pleite der US-Investmentbank Lehmann im Vergleich zum Gold an Wert verloren”. Eine tolle Angabe des konkreten Vergleichszeitraums. Und wie die Autoren in dem Beitrag selbst treffend festhalten, sind sowohl Goldpreis als auch Devisenkurse ständig in Bewegung. Sinnloser geht es also kaum noch. Es sei denn, es werden wirklich noch die schönsten Zahlen zwischen 1. und 10.000 live geschaltet ;)

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Klickshows, Klickwichserei, Krankenkassenvergleich, Stiftung Warentest, Welt.de
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Dear Mrs. P!nk

Bastian | 17/05/2009 | 19:43

Mit Musik habe ich es normalerweise nicht so. Zumindest nicht, wenn es nicht gerade elektronisch ist. Mit P!nk ist das jedoch etwas anderes. Die Frau schafft es immer wieder zu überraschen. Mit ihrer Stimme, ihren Texten, ihrem Auftreten. Schon nachdem sie Dear Mr President geschrieben und gesungen hat, wollte ich diesen Text schreiben. Denn immerhin kann Kritik am mächtigsten Mann der Vereinigten Staaten auch ganz schön nach hinten losgehen. Die Dixie Chicks können ein Lied davon singen. Allerdings waren die Country-Mädels zu ihrer Zeit auch die Speerspitze der Anti-Bush-Bewegung.

Den Song von P!nk macht das nicht schlechter, denn der Text passt wie aufs Auge. Zumindest aus meiner Sicht. Dasselbe gilt für viele andere Stücke, die im Radio eher selten zu hören sind. Wer genau hinhört, findet sich mehr als einmal in derselben Stimmung wieder, die das Lied über Bush vermittelt. Aber es sind eben nicht nur die Texte, sondern auch diese phä-no-me-na-le Stimme, mit der sie einfach alles singen kann. Und ich meine damit wirklich alles. Beim letzten Event unserer Company zum Beispiel, als sie sich unter die Menge gemischt und Piece of my heart zum Besten gegeben hat. Erma Franklin und Janis Joplin hätten ihre Freude daran gehabt.

Für diesen Vergleich werden mich Musikliebhaber und -experten nun sicherlich in Gedanken steinigen, aber so ist das nun einmal bei Fans. Ich bleibe deshalb dabei: die knapp zwei Minuten auf dem Trafalgar Square reichen aus, um mir den Song als Single zu wünschen und ernsthaft zu überlegen einmal wieder ein Konzert zu besuchen. Die restlichen Stücke der Rockröhre liegen bereits auf der Platte. Wer selbst einmal reinhören möchte kann das zurzeit billig bei Amazon tun. Zum Start des MP3-Angebots (DRM-frei) gibt es komplette Alben für knapp sechs Euro. Ud zwar nicht nur Funhouse, das zurzeit den MP3-Player rauf und runter läuft, sondern auch allerhand andere aktuelle Scheiben.

Schönen Sonntag

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Dear Mr. President, Erna Franklin, Janis Joplin, P!nk, Sing-Along
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Willkommen im Wunderland

Bastian | 14/05/2009 | 06:03

Zu folgendem Bericht bei Basic Thinking fehlen mir einfach die Worte. Sollte die Schilderung den Tatsachen entsprechen, ist es vielleicht an der Zeit den Staat neu zu definieren. Ich werde später noch ein paar Zeilen dazu schreiben, vorerst muss ich mich jedoch erst einmal sammeln. Nur so viel: wenn Staatsorgane in diesem Land eine ihnen unliebsame Seite auf dem im Beitrag geschilderten Weg aus dem Netz entfernen lassen, ist es vielleicht langsam an der Zeit mehr als nur zu schreiben. Raus auf die Straße und den Unmut laut herausschreien möchte man.

Schönen Donnerstag

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Deutschland, Internet-Zensur, Stasi-Methoden, Zensur
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Und keiner schreit

Bastian | 13/05/2009 | 09:18

Manchmal möchte ich einfach nur laut schreien. Um die Masse zu beruhigen, es sich mit der Waffenlobby aber nicht zu verscherzen, verbieten sie Paintball. Und dass, obwohl mir persönlich kein einziger Fall bekannt ist, bei dem mit dem Markierer mutwillig jemand verletzt oder sogar getötet wurde. Natürlich zielt man mit dem Markierer auf jemand anders und natürlich wirkt das auf viele martialisch, aber gebt einem Kind eine Spielzeugwaffe in die Hand und es wird sie früher oder später auf einen Spielkameraden richten und abdrücken. Und wenn beide gute Laune haben, wird das Gegenüber sich vielleicht sogar an die Brust fassen und theatralisch zu Boden gehen. So ist das eben bei Männerspielen. Nur weil man sie nicht versteht, muss man sie nicht gleich verbieten.

Es sind Schusswaffen, mit denen die Amokläufe durchgeführt wurden, und in den meisten Fällen waren sie nicht ordentlich weggeschlossen. Es sind die Waffenfreaks und Waffensammler, die zuhause massenhaft Schießgerät horten und nicht die Paintballer, die das Problem verursachen.  Paintball wird im Stillen gespielt. Keine Werbung, keine Events, kaum Reportagen. Von “Vorleben” oder “Trainieren”  kann hier keine Rede sein. Vielmehr stellt sich die Frage, ob jugendliche Amokläufer nicht erst zum Markierer greifen, weil sie sehnsüchtig auf Pappas Knarrensammlung starren, aber nicht selbst Hand anlegen dürfen. Ein Trauerspiel,  dass sie dennoch abgestraft werden, allerdings haben die Paintballer keine Lobby. Noch nicht, denn vielleicht gehen sie ja denselben Weg wie die Gegner der Indizierung und Sperrung von Internetseiten, womit wir beim zweiten Aufreger wären.

In einem beispiellosen Schritt der Zensur möchte der Staat zum Schutz seiner Bürger zukünftig Internetseiten indizieren und sperren. Und zwar ohne dass die Liste der gesperrten Seiten dabei zugänglich wäre. Laut Bundeskabinett sieht die Idee so aus: Das Bundeskriminalamt erfasst Angebote auf einer Sperrliste und stellt diese den Providern zur Verfügung. Diese blockieren den Zugang. Ruft ein Internet-Nutzer solche Angebote auf, wird er mit einem Stopp-Schild über die Sperrung dieser Seite informiert. Zugleich werden die Daten für die Strafverfolgung genutzt. Soweit der Plan, der einige gravierende Lücken hat. Wer sich auch nur ein bisschen mit dem Internet auskennt, weiß wie schnell daraus ein Fallstrick werden kann.

Nehmen wir einfach mal Short-URLs, die zurzeit immer mehr in Mode kommen. Anstelle eines langen Links wird eine verkürzte und kryptische Version generiert, hinter der sich alles Mögliche verstecken kann. Aufgekommen ist die Idee unter anderem durch Diskussionsforen, in denen Mitglieder Links in ihre Signaturen stecken wollten. Um notorischen Spammern vorzubeugen, ist die Zahl der Zeichen oft begrenzt und ein langer Link kann den Platz voll ausfüllen. Short-URLs waren die Lösung. Einen echten Hype erlebten die Dienste allerdings erst durch Twitter, das Nachrichten auf 140 Zeichen begrenzt. Sollte ein Nutzer einer solchen Short-URL folgen und erfasst werden, wird der Rechtsstaat umgedreht: im Zweifel gegen den Angeklagten, obwohl der vielleicht einfach nur mit dem Hinweis auf einen Bildschirmschoner oder ein cooles Musikvideo gelockt wurde, wie es so oft der Fall ist.

Umgesetzt werden soll das alles im Telemediengesetz und wo sonst jeder schreit, aber nichts tut, formiert sich im Internet zum ersten Mal massiver Widerstand. Und zwar Widerstand, der vielleicht etwas bringt. Seit einigen Jahren bietet der Bundestag Bürgern die Möglichkeit, über das Internet Petitionen einzureichen. Wird diese Petition  innerhalb von drei  Wochen ab der Veröffentlichung im Internet von 50.000 oder mehr Personen unterstützt, wird über sie im Regelfall im Petitionsausschuss öffentlich beraten.  Der Petent wird zu dieser Beratung eingeladen und erhält Rederecht. Konkret bedeutet das: wenn genügend Leute mitmachen, wird das Thema zumindest noch einmal besprochen. Und im Falle der Internetzensur dürfte dieses Szenario eintreten.

Innerhalb der besagten drei Wochen haben beinahe 80.000 Bürger die Petition von Franziska Heine gegen das geplante Gesetz gezeichnet, was für das ansonsten so wahl- und politikmüde Volk eine große Leistung ist. Demokratie 2.0 so zu sagen und ein echtes Zeichen, denn anders als bei vielen Internet-Petitionen müssen sich Zeichner nicht nur registrieren und diese Registrierung bestätigen, sondern werden auch mit Namen gelistet. Das alleine hält oft schon viele Menschen von mitmachen ab. 76.616 Zeichner sind deshalb eine Hausnummer, die auch den Massenmedien eine Berichterstattung wert ist. Man kann sich deshakb nur wünschen, dass es innerhalb der nächsten drei Wochen noch mindestens 250.000 werden. Und man kann hoffen. Hoffen, dass Zensur-Ulla den Unmut der Bürger auch zur Kenntnis nimmt.

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Paintball, Petition, Telemediengesetz, Unmut
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