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Spaß mit der Online-Buchung

Bastian | 24/06/2009 | 20:21

Ich habe gerade eine Reise gebucht. Online bei Neckermann. Die ganze Aktion war eine Premiere, denn wenn ich ansonsten auch alles (aber auch wirklich alles) über das Internet erledige, bin ich was meinen Urlaub angeht extrem konservativ eingestellt. Allerdings kostet der Besuch im Reisebüro eine Menge Zeit und da wir seit Jahren in denselben Club auf dieselbe Partyinsel fahren,  weiß ich eigentlich was ich will. Aber das ist gar nicht das Thema, sondern die Buchung auf der Website von Neckermann.de

Seit heute hat die Urlaubswelt ein neues Design und als ich mich endlich zum gewünschten Angebot durchgearbeitet hatte, ging alles sehr schnell. Eingabe meiner persönlichen Daten über die sichere Verbindung, vervollständigen des Profils mit den Angaben zum zweiten Reisenden und schlussendlich noch die Auswahl der Zahlungsmethode. Und das war es auch schon. Ich drücke einmal auf den Knopf zur Bestätigung und erhalte ohne zweite Sicherheitsabfrage (wollen sie wirklich solche Unsummen ausgeben?) den Hinweis auf meine Buchung.

Hallo? Ich hatte erwartet wenigstens in der E-Mail-Bestätigung einen Link zu finden, mit dem der ganze Vorgang abschließend verifiziert wird. Pustekuchen. Auch in der Elektro-Post finde ich nur ein Dankeschön für mein Vertrauen und “die verbindliche Buchung bei urlaubswelt.neckermann.de”. Nicht schlecht Herr Specht. Da reicht eigentlich ein Impressum samt E-Mail, um von einem Internetcafe aus jede Menge Spaß zu haben. Keine Sorge, aus dem Alter bin ich raus, bedenklich finde ich das Ganze dennoch.

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neckermann.de, Online-Buchung, Urlaub, Wtf
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Parallelwelten

Bastian | 23/06/2009 | 00:01

Eigentlich wollte ich heute Abend über Zensursula und ihr dämöiches Gesetz abledern, Neda Soltani hat mich jedoch eines besseren belehrt. Der Tod dieses jungen Mädchens, den ich wie viele andere für echt halten, bewegt selbst täglich mit Bildern von Unfällen und Toten überflutete Redakteure wie mich. Es ist eine Sache, über Tote und verletzte zu schreiben, aber eine ganz andere jemandem beim sterben in die Augen zu sehen. Und auch wenn das Bild verwackelt ist, kann man genau das tun. Wie viele andere Managzine haben die Kollegen des Sterns Stern haben diesem tragischen Tod auf Teherans Straßen ein paar Zeilen gewidment. Und auch wenn der zweite Text über die dpa kommt, sind doch einige interessante Schlussfolgerungen enthalten. Vor allem der Teil über die Solidarisierung im Internet.

Die Reaktionen auf das Video sind gewaltig. Facebook, Twitter, Wikipedia. Die Seiten sind voll mit Kommentaren und Beileidsbekundungen, in einigen sozialen Netzwerken haben sich bereits Gruppen gebildet. “Free Iran”, “Never forget the voice” und wie sie alle heißen mögen. Und so sehr mich das Video bewegt, stehe ich dem Aktivismus ratlos gegenüber. Ja, es gibt eine unschuldige Tote, aber es ist nicht die erste und nicht die letzte. In Filmen sind solche Szenen Schlüsselelemente, in den vielen Krisenherden dieser Welt traurige Realität. Und das schlimmste daran ist nicht einmal, dass die Aktivisten wahrscheinlich nicht einmal drei davon beim Namen nennen können, sondern außer dem Video vom Iran keinen blassen Schimmer haben.

Es ist in Ordnung, wenn die Menschen in diesem Land eine Stimme gefunden haben, vielleicht sollte sich der Rest der Welt jedoch überlegen warum es erst den Tod einer jungen frau braucht um sich neben Twitter, iPhone-Apps und anderem Scheißdreck auch mal zwei Minuten mit den wichtigen Dingen im Leben zu beschäftigen. Also schauen wir mal, wie lange der Hype anhält und wie viele Einträge sich in einem Jahr zu diesem Thema finden. Auf den 20. Juni 2010 habe ich mir vorhin einen Reminder in Outlook gesetzt. Beantwortet wird die Frage also in enem Jahr an derselben Stelle.

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Iran, Neda Soltani, Web 2.0, Web-Kultur
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Firefox überholt Internet Explorer

Bastian | 15/06/2009 | 21:02

Kurz vor Feierabend bin ich bei Turi und anderen Branchenseiten über eine interessante Meldung gestoßen: In Deutschland hat der Feuerfuchs laut einer aktuellen Studie zum ersten Mal die Browser aus dem Hause Microsoft überholt. Auf 40 Prozent bringt es der Firefox, während IE 6, 7 und 8 zusammen auf 38 Prozent kommen. Ermittelt hat die Daten Fittkau und Maaß, also sollten sie halbwegs valide sein. Und die Erfolgsgeschichte düfte weitergehen, wird Windows 7 laut neuesten Berichten doch ohne Browser ausgeliefert. Richtig gehört. Auf dem Rechner ist ersteinmal gar kein Browser installiert. Für den einen oder anderen DAU (sorry for that) dürfte das zu einem echten Problem werden.

Doch eigentlich ist das nicht der Grund für meinen Beitrag. Vielmehr beschäftigt mich seit der Lektüre der Zahlen eine andere Frage: wie lange wird es noch dauern, bis der Online-Werbemarkt zusammenbricht? Als bekennenden Nutzer von No-Script und Adblock-Plus hatte ich mich bereits mehrfach geoutet und auch wenn es manch einem nicht passen sollte, empfehle ich dieses Produkt auch sämtlichen Freunden und Bekannten. In der Zielgruppe der 18 bis 25jährigen ist das übrigens nicht mehr notwendig. Wo IE-Nutzer, zu denen ich bis zum IE7 auch noch gehörte, früher ausgelacht und mit einem Link zu Mozilla bedacht wurden werden die  beiden Add-Ons heute gleich mit verlinkt.

Es ist also eigentlich nur noch eine Frage der Zeit, bis sich mit klassischer Display-Werbung kein Geld mehr verdienen lässt. Und nun stellt sich die spannende Frage, wie es weitergeht. Verkaufte Fläche im Contenbereich ist heuten ja keine Seltenheit mehr und ich würde wetten solche “Landing Pages” werden in den kommenden Jahren zunehmend interessanter. Vielleicht verzichtet man zukünftig aber auch einfach auf das Tracking, denn schließlich sind die Filter darauf programmiert Adserver zu erkennen. Oder die Werbung wird über die Server der Werbenden ausgespielt.

Möglichkeiten gibt es viele, allerdings auch ebensoviele Gegenmaßnahmen. Und wenn ich ehrlich bin, wird die Werbeindustrie irgendwann ihr Knie beugen. Genau wie die Film- und die Musikindustrie. Gegen das Internet gibt es keine adäquate Waffe.  Spannend ist im Moment nur noch der Bereich Videos. Wie man die Werbebotschaften im Flash-Fomat vor dem Hauptfilm blockt hat bisher noch keiner der Add-On-Schrauber herausgefunden. Aber auch hier gehe ich jede Wette ein, dass es sich nur um eine Frage der Zeit handelt. Und um mich nicht noch weiter zu wiederholen, höre ich jetzt auf ;)

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AdBlock Plus, Browser, Browserkrieg, FF, Firefox, IE6, IE7, IE8, Internet Explorer, No-Script
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Killerfragen

Bastian | 14/06/2009 | 11:07

Mit “Killerspielen” ist das so eine Sache. Die Mehrheit der Spieler kann mit dem Begriff nichts anfangen und Spielemagazine werden nicht müde, immer neue Protestaktionen zu starten. “Spiele machen keine Killer” ist einer der zurzeit beliebtesten Sprüche und die Politik wird von der PC Games wieder einmal aufgefordert, den unsäglichen Begriff ganz aus der Dikussion über Games und Gewalt zu streichen. Eigentlich alles schön und gut, würde die Spielpresse von der kleinsten Fan-Klitsche bis zum größten Magazin nicht selbst völlig unreflektiert mit solchen Begriffen um sich werfen. Und das schlimmste daran: das Problem dürfte den meisten noch nicht einmal bewusst sein.

Ein gutes Beispiel dafür ist die News über die Zusatzkarte Coral Sea für das Spiel Battlefield 1943. Das Szenario, auf dem sich Spieler Zweikämpfe mit alten Jägern aus dem zweiten Weltkrieg liefern, muss erst freigespielt werden. Die Karte steht erst im Menü zur Verfügung, wenn alle Spieler zusammen 43.000.000 Kills erreicht haben. Eigentlich nichts besonderes, denn in der Gaming-Szene ist der Bergiff Kills spätestens nach der Einführung von “Kill-Death-Rates” im Rahmen von Statistiken nichts mehr besonders. Für einen Außenstehenden sicherlich schon.

Vor einigen Jahren wurde als Hauptbegriff noch das Wort Frag verwendet, das meines erachtens auch besser zur Idee des gemeinsamen Punktesammeln passt, als “Kills”. Angesichts der fortschreitenden Verbreitung des Denglischen macht man mit dem Wunsch jemanden zu “killen” in unseren Gefilden nämlich durchaus deutlich, dass man diesem ans Leder will. Und überhaupt: Frags kommen nicht von ungefähr, sondern sind die weichere, die nettere Form über das Thema zu sprechen. Oder zu schreiben. Ich “kille” meine Gegner nicht, sondern ich nehme sie aus dem Spiel. Genau wie beim Brenn- oder Völkerball.

Das gesagt verwundert es mich umsomehr, wieso kaum ein deutsches Leitmedium im Bereich Spiele sich Gedanken über diese Frage macht. PC Games, GameStar , Eurogamer und wie sie alle heißen, kaum jemand hat sich die Mühe gemacht statt der Kills die Frags einzusetzen. Richtig fies ist die Umsetzung von Krawall, wo man zwar von “virtuellen Toden” spricht, aber auch vom “morden für die Entwickler”. Ein Spieler mag den schwarzen Humor hinter der Aussage vielleicht verstehen, das Such- und Auswertungs-Team eines Dr. Pfeiffer sicherlich nicht.

Es sind solche Nachrichten, die von den Massenmedien mit ihren in der Spielewelt oft unerfahrenen Redakteuren aufgegriffen und ausgeschlachtet werden. “Virtuelles ‘Killen’ hoch im Kurs”, “Virtuelle Mini-Killer” und wie der Schwachsinn auch immer heißen mag. Gerade deshalb ist es wichtig, mit der Berichterstattung keine Steilvorlagen zu liefern und sich beim texten von Nachrichten auch zu überlegen, welche Botschaften ein Nicht-Spieler aus dem Text zieht. Und dabei geht es nicht ums verharmlosen und verstecken, sondern einfach um die Vermeidung von Killerfragen. Vor allem solche von ausgewiesenen Spiele-Gegnern.

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Denglisch, Frags, Killerspiele, Killerspieler, Kills, Spielenachrichten
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Thomas Strobl made my day

Bastian | 12/06/2009 | 20:25

Abgeordnete sind schon eine lustige Spezies. Vor allem wenn sie aus den Reihen der CDU/CSU kommen.  “Immer für einen Spaß” zu haben, könnte die Devise fast lauten, wäre die Sache nicht so ernst. Die Rede ist von der geplanten Umsetzung einer “schwarzen Liste für Domains”, die auf das Bestreben von Familienministerin Ursula von der Leyen aka “Zensurula” umgesetzt werden. Als wäre dieser Vorschlag mit seinem Stasi-Ansatz nicht schon schlimm genug,  ist nu  Thomas Strobl, Generalsekretär der baden-württembergischen CDU, auf die grandiose Idee gekommen ihm um “Killerspiele” zu erweitern.

Vielleicht ist Strobl vor seiner Antwort bei Abgeordnetenwatch ja dem Ratschlag von CSU-Kollege Günther Beckstein gefolgt, und hat auf dem örtlichen Volskfest ein oder zwei Maß Bier getrunken, anders ist dieser Unfug aber wohl kaum zu erklären. Heute Kinderpornos, morgen “Killerspiele” und nächste Woche dann auch Airsoft, Paintball und all die anderen Dinge, die in den Augen der Schlipsträger nicht so recht zum Bild eines freiheitlich demokratischen Landes passen. Und wenn wir gerade dabei sind, rutscht vielleicht noch der eine oder andere Blogger in die Liste. Wer weiß das schon, schließlich soll sie nur den Behörden zugänglich sein.

Die Antwort Strobls macht deutlich, wie weit die Generation Internet (und so wird man die Jahrgänge nach der Generation Golf einst nennen) inzwischen von der Politik entfernt ist. Im Internet gibt es einen Haufen Scheiß. Sinnlose Partybilder, Gewaltvideos, Mitschnitte aus dem Krieg, Sex, Sex und nochmal Sex und noch viele andere Dinge, die so manchen Politiker wahrscheinlich dazu bewegen würden sofort den Stecker zu ziehen und Deutschland wieder in einen Agrarstaat zu verwandeln. Die Sache ist doch aber die: der Scheiß ist schon solange da, wie es das Internet gibt, und bisher ist noch noch kein flächendeckender Wahsinn zu beobachten.

Ich sehe auf dem Weg zur Arbeit weder nackte Menschen, die mit Tierblut beschmiert über die Straße tanzen, noch haben sich Bus und Bahn zum Warenumschlagplatz für die neuesten Pr0ns und Metzelschnulzen gewandelt. Und solange das nicht der Fall ist, können sich die Anzugträger eigentlich um wichtigere Probleme kümmern. Bildungsmisere, Exportabhängigkeit, Finanzkrise, Rekordverschuldung, Rentenproblematik, Sozialsysteme und all die anderen Baustellen, auf denen sie bisher nichts außer Trümmer hinterlassen haben. Vielleicht ist aber auch bald September. Dann ist der Wahlkampf vorbei und wir haben wieder vier Jahre lang Ruhe vor allzu dummen Ideen ;)

Via Netzpolitik, Gulli, Maxxfragg

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Killaspiele, Schwachsinn, Thomas Strobl, Zensursula
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Alles ein Komplexitätsproblem

Bastian | 06/06/2009 | 21:45

In den vergangenen Tagen habe ich in den Tiefen des Internets verschiedenen Diskussionen über Politik und Politikmüdigkeit über mich ergehen lassen. Einige gewollt, andere ungewollt, aber alle mit demselben Tenor. Politisch aktive Menschen beklagen sich über die Politikmüdigkeit ihrer Mitbürger. Und nicht nur das. Kritiker in Foren und Blogs bemängeln ein generelles Desinteresse an gesellschaftlichen Themen. Und weil ich genau in diese Gruppe falle, habe ich mir zwischen dem Update meiner Handy-Software, dem Übertragen der neuesten Live-Sets auf meinem MP3-Player und dem Fitnessstudio ein paar Gedanken gemacht.

Wer bis hier hin gelesen hat, wird den Tenor der Kritik bereits verstanden haben: es ist zu viel. Es ist einfach alles zu viel. Ich bin bei weitem kein Sozial- oder Gesellschaftsexperte, aber um eine Antwort auf die Frage zu haben brauche ich mich einfach nur in meinem Zimmer umzuschauen. Die Anleitung meines Routers: 17 Seiten. Das Telefon 53, das Handy 163, die PSP über 300. Ich umgeben von digitalem Müll, der mein Leben vereinfachen soll und für deren grundlegende Beherrschung locker mein gesamter Jahresurlaub drauf gehen würde. Und für das Erreichen der Perfektion ziehe ich mich einfach für ein Jahr mit einem Notstromaggregat und einer Satellitenverbindung auf eine einsame Insel zurück. Und wofür das alles? Um zurückzukehren und zu sehen, dass ich meine Zeit damit verschwendet habe den technologischen Anschluss zu verlieren.

Mit diesem kleinen Beispiel möchte ich deutlich machen, was Menschen heute davon abhält sich politisch zu engagieren. Unsere Welt wird mit jedem Tag komplexer. Die Bewältigung unsere täglichen Aufgaben verlangt uns ohne dass wir es bemerken immer mehr Engagement ab. Natürlich kann man mit einem Handy auch einfach nur telefonieren und für die Konfiguration des Routers einen Bekannten anrufen, aber letzten Endes verlagert man das Problem so einfach nur auf Dritte. Dazu führt die Verweigerungsstrategie nur bedingt zum Erfolg. In einigen Jahren wird der Einkauf an der Kasse nur noch selbst gescannt und bezahlt, werden Fotos vom USB-Stick direkt in den digitalen Drucker im SB-Store geschoben. In einigen Jahren wird der Schalter in der Bank nur noch gegen Gebühr zugänglich sein und der Rest der Geschäfte am Terminal erledigt. Wenn es das Terminal überhaupt noch gibt.

Ich habe keine Ahnung wie Menschen den Wandel früher erlebt haben, aber ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass es so anstrengend war. Stunde um Stunde meines Lebens verbringe ich mit solchen Nichtigkeiten und wenn es um die eigentlich wichtigen Dinge geht, schalte ich ab. Noch mehr Anleitungen und Erklärungen ertrage ich einfach nicht. Ganz egal von wem sie kommen und wer gerade etwas will. Politische Krise in Lampukistan: Was juckt es mich? Landtagswahl in Hintertupfingen: wohne ich da? Schon wieder Bundestagswahl? Wer tritt nochmal an? Ist mir eigentlich alles egal, denn letzten Endes labern die Schlipsträger doch alle dieselbe gequirlte Scheiße, die ihnen ihren PR-Berater und Redenschreiber vor die Nase legen. Und deswegen bin ich ihnen nicht einmal böse. Warum auch. Wenn ich als durchaus belesener und interessierter Bürger unsere Welt angesichts ihrer Komplexität nicht mehr verstehe, wie soll es da ein Politiker können?

Und genau da liegt das Problem. Nicht nur in den Anleitungen für die Geräte zuhause, sondern in dem ganzen Ding. Unser gesamtes Leben wird inzwischen von Maschinen gesteuert. Und wo es noch keine adäquate Technik gibt, regeln aberhunderte Vorschriften unseren Alltag. Und anstatt die Dinge einfacher zu machen, erfinden wir immer neue Maschinen, die all die Vorschriften für uns verwalten und das Leben wieder einfach machen. Oder doch nicht? Je mehr dieser Maschinen wir bauen, desto weniger überblicken wir unser Tun und Handeln. Computergestützte Rechenmodelle für die Finanzmärkte, den Klimawandel, das Verkehrsaufkommen und die Demographische Entwicklung. Statistiken, Daten, Zahlen. Von den fleißigsten Hausfrauen bis zu den besten Zertifikaten alles mundgerecht in Rankings verpackt. Wer soll bei all den Informationen den Überblick behalten und – noch viel wichtiger – Visionen für das große uns Ganze entwickeln?

Ich habe keine Antworten auf diese Fragen, komme aber immer mehr zu der Überzeugung, dass die moderne Technik Fluch und Segen zugleich ist. Ja, ich genieße es an einem sonnigen Sonntagmorgen mit dem Laptop auf dem Schoß in der Sonne zu sitzen und Zeitungen aus aller Welt zu lesen, die mich früher nie erreicht haben. Ich genieße es mit Freunden und Bekannten aus aller Welt über das Internet zu kommunizieren wo immer ich bin. Ich empfinde es sogar als Segen, mich mit meinem Navigationsgerät nie mehr zu verfahren. Aber all diese netten Dinge machen die Sache nicht besser, sondern nur noch schlimmer. Ohne sie geht es nicht und mit ihnen eigentlich noch weniger. Vielleicht sollte man einfach einmal weltweit für vier Wochen den Strom ausschalten und schauen, was passiert. Das ganz große Erwachen? Anarchie, Mord und Totschlag?

Eine spannende Frage, auf die ich so schnell keine Antwort erhalten werde. Also versuche ich vielleicht den umgekehrten Weg. Im Selbstversuch ein, zwei Jahre ohne Test, Technik, Radio, Fernsehen und Internet leben. Vielleicht komme ich dann ja zurück und habe mehr Elan, mich nach der Anleitung zum überspielen der Videos von meiner Kamera auf dem Computer und dem Online-Kurs für die Bedienung der Schnittsoftware auch mit Politik und anderen wichtigen Dingen zu beschäftigen. Bis es soweit ist, halte ich es wie der Rest. Ich schalte ab, auch wenn es eigentlich traurig ist.

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