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Staatlich geregelter Rundfunk

Bastian | 19/09/2009 | 11:20

Die Welt kann manchmal sehr klein sein. Vor allem wenn es um die Anwendung von Paragraphen, Gesetzen und Vorschriften geht. Besonders gerne wird ja in Deutschland über dieses Thema gemeckert, heute beschäftigt mich jedoch ein Beispiel aus der Schweiz. Die drohende Schließung des Radiosenders Energy Zürich, dem in Kürze die Sendelizenz für UKW entzogen werden soll. Da ich mich selbst zu den Hörern zähle, bin ich maßlos entsetzt und enttäuscht über diese Entscheidung. Nicht weil ich die rechtliche Lage anders einschätze, sondern ganz einfach weil den Sender mehr und vor allem junge Menschen hören. Das Programm ist abwechslungsreich und interessant und verdient im Vergleich zu lokalen Trauerspielen wie YouFM (*würg*), BigFM, HR3 und FFH das Prädikat wertvoll. Ganz einfach weil nicht konstant dieselbe langweilige Mainstream-Scheiße gespielt wird. Wer mal einen Monat YouFM gehört hat weiß was ich meine. Aber das ist ein anderes Thema. Bleiben wir beim Zürcher Fall.

Über das Internet und in Form von Unterschriften-Aktionen haben sich Hörer wie Künstler für einen Erhalt des Senders eingesetzt. Schweizer Stars komponierten zudem den Song Stahn Uf, der bereits nach kurzer Zeit in die Schweizer Online-Charts schaffte. Genützt hat das Engagement dennoch nichts. Das Schweizer Bundesverwaltungsgericht hat die Ende 2008 beschlossene Neuregelung der Konzessionen durchgewunken. Eine politische Entscheidung und – das sieht man an den zahlreichen Unterstützern des Protests – keine von Hörern forcierte. Was gut und was hörbar ist, entscheidet also nicht mehr der Hörer. Ein Gutes hat die Entscheidung dennoch: die Radiomacher wollen sich nicht unterkriegen lassen und zukünftig auf den digitalen Rundfunk setzen. Ein Projekt, das seit Jahren als “zukunftsweisend” gefeiert wird, sich aber nie durchgesetzt hat. Vielleicht macht Zürich ja jetzt den Anfang. Ich bin jedenfalls froh, wenn die Idee wirklich klappt, denn auf den Livestream möchte ich nicht verzichten.

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Beamtenstaat, BigFM, FFH, HR3, Jugendkultur, Radio Energy, YouFM, Zürich
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Hirnfick am Freitag

Bastian | 18/09/2009 | 19:13

Ich habe gerade einen Beitrag über die Forderung verschiedener Wirtschaftsweiser gelesen, die allesamt eine Erhöhung der Mehrwertsteuer fordern. Ein Aspekt der Debatte ist dabei die ermäßigte Mehrwertsteuer auf verschiedene Produkte und Dienstleistungen. Und weil ich ganz gerne wissen wollte, was alles zum Satz von sieben Prozent versteuert wird, habe ich Google befragt. Ganz oben in der Liste ein Beitrag der “Welt” mit dem treffenden Titel “Die Liste des Absurden“, die sich lapidar mit dem Thema beschäftigt und dann in Form einer Klickstrecke mit 96 Folien einen “Überblick” aller Ermäßigungen gibt. Nach weiteren zwei Minuten Suchmaschine taucht auch die Quelle der Daten auf. Zum Beispiel Juris.de, wo die Liste noch eine Liste ist und – auch mit der unleserlichen Formatierung – in ein Textverabeitungsprogramm kopiert und ausgedruckt werden kann. Die Redakteure bei der Welt werden aber sicherlich treffliche Gründe gehabt haben, die Daten im Copy-&-Paste-Verfahren in das praktische neue Format zu transferieren. Es liest sich natürlich viel einfacher, wenn man anstelle des Scrollbalkens die Klickfunktion hat. Eigentlch absurd, überhaupt noch irgendwo Listen zu verwenden ;)

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Klickwichserei, Medienkritik, Online-Journalismus, Welt.de
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Ratgeber-Journalismus richtig gemacht

Bastian | 12/09/2009 | 20:58

Die Kollegen vom Spiegel gehören bei vielen Meldungen zu den schnellsten. In den meisten Fällen sind die Artikel sauber aufbereitet und nicht zu beanstanden. Heute ist mir jedoch ein Beispiel aus dem Ratgeberbereich ins Auge gefallen, das unter Verbrauchergesichtspunkten einfach schlecht umgesetzt ist. Es geht um die höchsten Mieten in Deutschland, die alljährlich von der “F+B Forschung und Beratung für Wohnen, Immobilien und Umwelt GmbH”, kurz: F+B, ermittelt werden. So kompliziert wie der Name dieser Gesellschaft  aufgebaut ist, gestaltet sich übrigens auch ihre Website. Aber das ist ein anderes Thema. Zurück zu den Kosten fürs Wohnen: die kann man in Form eines Index im PDF-Format abrufen, was der Spiegel auch getan hat. So erfahre ich in der linken Spalte des Artikels, dass München im Index 171 Punkte erreicht, Germering 138 und Dachau 133. Wenn ich nun schnell wissen möchte, wie hoch die Miete in welcher Stadt ist, hilft mir das natürlich ungemein weiter.

Viel besser hat das die Bild gemacht, die dasselbe Thema einen Tag später aufgegriffen hat und dem Leser den Griff zum Taschenrechner abnimmt indem sie die Durchschnittsmiete von 5,84 Euro mit den Indexwerten kombiniert. Und so stehen in der Klickshow (die angesichts der Vierer-Schritte der einzige Minuspunkt sind) neben jeder Stadt die tatsächlichen Kosten pro Quadratmeter inklusive der Umrechnung auf die Standardwohnung mit 65 Quadratmetern. Vorbildlich und im Gegensatz zu den Indexwerten bei Spiegel Online auch hoch praktisch. Weiterer Kritikpunkt des Spiegel-Artikels: selbst wenn der Leser den Taschenrechner zur Hand nehmen würde, fehlt unterhalb der Tabelle ein wichtiger Zusatz: der Wert für den Indexstand 100 und damit die Durchschnittsmiete. Natürlich kann man sich diesen auch aus dem Text herauslesen, aber so funktioniert Ratgeberjournalismus eben nicht. “Don’t make me think” heißt die Devise. Bei den Mieten wie auch bei vielen anderen Themen.

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BILD, F+B, Mieten, Mietpreise, Ratgeberjournalismus, Spiegel Online
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Handfeste Thesen

Bastian | 07/09/2009 | 19:23

Viel ist hier in letzter Zeit nicht geschehen, was wieder einmal auf einen Mangel an Zeit zurückzuführen ist. Und eigentlich hat sich an der Situation nichts verändert, doch die heute veröffentlichten 17 Behauptungen wie Journalismus heute funktioniert kann man einfach nicht unkommentiert stehen lassen. Veröffentlicht wurde das Manifest von Stefan Niggemeier, Sascha Lobo und Co., die in ihrem Beitrag vehement mehr Qualität in der Berichterstattung fordern. Und wie immer, wenn die Alpha-Blogger auf den Putz hauen, wird mit Kritik an den klassischen Medien nicht gespart. Böse Verlagshäuser, die Märkte abschirmen wollen und keine Hyperlinks setzen. Alte Medien-Welt gegen neue Medien-Welt und der Schuldige ist schnell erkannt. Doch ganz so einfach ist es nicht.

Journalismus im Internet hat kaum noch etwas mit Print zu tun, sondern ist meistens Radio in Textform. In den Radionachrichten werden die Meldungen aus den Agenturen fast eins zu eins abgelesen, im Internet werden sie 1:1 einkopiert. In meinen Gedankengängen zum Qualitätsjournalismus habe ich mir zu dem Thema bereits Gedanken gemacht – und wurde in den Kommentaren anderer Blogger prompt auf meinen Arbeitgeber reduziert. Es sind jedoch nicht nur wir, die Meldungen innerhalb von fünf Minuten ins Netz stellen, sondern angefangen vom Spiegel über den Stern bis runter auf die Ebene von Regionalzeitungen auch alle anderen. Wer etwas anderes behauptet, lügt oder will die Wahrheit nicht sehen. Und solange es nur einer macht, müssen alle anderen nachziehen.

Im Klartext bedeutet das: sehr gerne würde ich mir für bestimmte Themen mehr Zeit nehmen, um das Geschehen einzuordnen, Experten zu befragen oder Geschichten anderweitig auszubauen. Ich kann aber nicht, denn sobald die Meldung bei der Konkurrenz erschienen ist, tickt die Uhr. Denn am besten laufen Geschichten wenn sie besonders zeitnah veröffentlicht werden. Die Regel lautet: Je früher, desto besser. Im Zeitalter der Echtzeitmessung lässt sich das faktisch anhand von Klickzahlen belegen. Und so sind es gerade die großen Online-Medien, die – ob nun mit Hyperlinks in ihren Texten oder ohne – den Niedergang des Qualitätsjournalismus beschleunigen. Denn es zeigt sich noch ein zweiter Trend: Nachrichten von gestern will überhaupt keiner mehr lesen. Wer eine Geschichte “nachdreht” und erst am Folgetag bringt, arbeitet oft für die Tonne. Ein Kommentar unterhalb eines Artikels blieb mir dabei besonders in Erinnerung: “News von gestern finde ich in der Zeitung”.

Dennoch möchte ich den Text und die darin enthaltenen Behauptungen nicht in Gänze schlechtreden. Wenn es in der 10. These heißt, dass “qualitativ nicht zwischen bezahltem und unbezahltem, sondern zwischen gutem und schlechtem Journalismus zu unterscheiden ist”, kann ich das nur unterstützen. Aus der eigenen Erfahrung weiß ich: Namen sind Schall und Rauch, was neben dem Internet inzwischen leider auch für das Fernsehen gilt (Panorama lässt grüßen). Und auch den 17. Punkt kann ich nur voll und ganz unterstützen: “Nicht der besserwissende, sondern der kommunizierende und hinterfragende Journalist ist gefragt”. Und so bin ich gespannt welche Ideen die Verfasser des Manifests haben, um der breiten Masse wieder Lust auf diesen “hinterfragenden Journalismus” zu machen. Denn wie die aktuelle Berichterstattung zeigt, scheint die große Mehrheit mit der bloßen Veröffentlichung zufrieden zu sein.

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Internet-Manifest, Medienkritik, Sascha Lobo, Stefan Niggemeier
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