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Respekt, Frau Enke, Respekt

Bastian | 11/11/2009 | 22:08

Als ich heute Morgen ins Büro kam, war mir die Tragweite der Ereignisse bereits bewusst. Bereits nach dem Freitod von Adolf Merckle lag diese Mischung aus Trauer und Neugier in der Luft, die Journalisten nun einmal Eigen ist. Was genau ist an den Bahngleisen passiert und was genau hat unseren Nationalkeeper zu diesem Schritt bewogen. Was sagen die Mannschaftskollegen, was sagt der DFB und – vor allem – was sagt seine Frau. Und dann kamen Sie, Frau Enke, und haben sich souverän der Meute gestellt und der Welt einfach erzählt, was alle wissen wollten.

Sich dem Blitzlichtgewitter auszusetzen ist auch ohne einen so tragischen Verlust eine Leistung, die honoriert werden muss. Angesichts der Umstände verdient sie den höchsten Respekt. Und nicht nur deswegen, sondern auch weil Sie Ihrem Mann damit eine letzte große Ehre erweisen. Sie machen seine Krankheit öffentlich und sorgen so nicht nur für eine längst überfällige Diskussion um das Thema Depression, sondern nehmen den weniger feinfühligen Kollegen auch den Wind aus den Segeln. Den Kollegen, die bereits kurz nach der ersten Meldung im Dreck wühlen.

Was war da los mit dem Enke? War die Ehe zerrüttet? Gab es vielleicht eine Geliebte? Manchem Schreiberling ist sich ja für nichts zu schade und ich warte eigentlich fast schon stündlich auf die ersten Bilder vom Friedhof, den ihr Mann so gerne besucht hat. Zumindest wenn man den Berichten Glauben schenken darf. Spekuliert wird also immer noch, aber mit allergrößter Wahrscheinlichkeit viel weniger stark, als wenn sie geschwiegen hätten. Nun ist alles gesagt, die Geschichte ist erzählt. Und wenn wir alle viel Glück haben, bleibt es auch dabei. Abschließend kann man sich nur wünschen, es gäbe mehr Frauen von Ihrem Charakter, mehr Frauen von Ihrem Format.

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Brot und Spiele

Bastian | 01/11/2009 | 23:03

Ich habe es getan. Damit ich während der Themenkonferenz und während der Raucherpausen auch mal mitreden kann, habe ich mir eine Folge Bauer sucht Frau, eine Folge Schwiegertochter gesucht und die letzte Ausgabe des Supertalents angeschaut. Das Ergebnis war wie zu erwarten erschreckend, allerdings wurden meine schlimmsten Befürchtungen noch übertroffen. Wenn das die Realität ist, lebe ich wohl auf einem anderen Stern. Oder in einem anderen Universum. Ich weiß es nicht, aber klar ist mir nur eins: wenn sich degenerierte Idioten im Fernsehen zum Affen machen, kann ich einfach nicht darüber lachen. Höchstens weinen, über so viel geballte Dummheit.

Wenn Voll-Assi Christian bei Schwiegermutter gesucht begleitet von dämlichen Macho-Sprüchen die persönlichen Fotos seiner neuen Freundin aus dem Fenster wirft, wünsche ich mir spontan eine polnische Lösung. Einigen mag das ja vielleicht zu hart erscheinen, aber mit solchen Vollidioten habe ich einfach kein Mitleid. Genausowenig mit Daniela May, Sevasti Tsomaridou, Wolfgang Sorges und all den anderen Typen, die sich für fünf Minuten Aufmerksamkeit vor der ganzen Nation zum Affen machen. Gut, es gibt Ausnahmen, aber Lachen kann ich immer noch nicht  Und wenn man es genau nimmt, ist Lachen bei der Sache eigentlich das größte Problem.

Gemacht werden diese Shows weil sie geschaut werden und ich könnte wetten, die Mehrheit der Zuschauer entstammt nicht den bildungsfernen Schichten. Zumindest wenn man nach dem Publikum geht, das sich bei der Suche nach dem Supertalent benimmt wie Römer während der Spiele im Amphitheater. Mit heruntergestrecktem Daumen oder zugekehrtem Rücken wird den Kämpfern in der Arena das Scheitern siganalisiert, das Todesurteil fällt Imperator Bohlen in Absprache mit Silvie und Bruce. Brot und Spiele; Unterhaltung für die Massen.

Shows, Kandidaten und Dialoge werden dabei immer dümmer und es scheint fast, als würde es bald gar keine Grenzen mehr geben. Vielleicht bauen sie das Kolosseum ja wirklich wieder auf, oder irgendwo auf die Grüne Wiese. Auf Gladiatorenkämpfe und Verfütterung an die Löwen kann man dabei getrost verzichten. Es reicht völlig aus, den grenzdebilen Jürgen mit seiner Tschu-Tschu-Eisenbahn in die Arena zu setzen und in der Totalen auf der Leinwand zu zeigen, wie er seine Lok im Kreis fahren lässt. Lustig ist das eigentlich nicht, geschaut wird es wahrscheinlich trotzdem. Nur nicht von mir, denn ich klinke mich nach dem Experiment wieder aus. Selbst der Mutantenstadl ist unterhaltsamer als Reality-TV.

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Bauer sucht Frau, Deutschland sucht den Superstar, Schwiegertochter gesucht
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