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Der Unterschied zwischen Stil und Style

Bastian | 07/05/2011 | 13:30

Als ich im Februar 2010 zum ersten Mal Männer gesehen habe, die sich in völlig bescheuerter Aufmachung so sicher durch die Gegend bewegten, als wären sie in Boss oder Armani gekleidet, schwante mir Böses. Denn zu diesem Zeitpunkt befand ich mich in Stockholm und nicht selten sind in der schwedischen Hauptstadt Trends zu sehen, die erst später in Deutschland ankommen. Und so kam es dann auch. Im Herbst vergangen Jahres war es soweit: auf einem Open Air liefen mir Horden von Menschen entgegen, die auf denselben Zug aufgesprungen waren. Die 80er waren zurück. Und zusammen mit ihnen fielen Hipster, Dickheads und andere uniformierte in meine schöne Techno-Welt ein.

Inzwischen hat sich eine Art Mittelding zwischen allen Gruppen herausgebildet, die es sich offenbar zum Ziel gesetzt hat nur die schlechtesten Attribute auf sich zu vereinen. Mädels in Leggins, Schlafanzughosen und Schulterpolstern. Dazu Jungs mit Oberlippenbart, knallengen Röhrenjeans, miesen Sackos und noch mieseren Frisuren. Und dann erst die Schuhe. Die guten, alten Sneaker wurden gegen Modelle ausgetauscht, die ich normalerweise im Schuhschrank meiner Mutter erwarten würde. Stopp!  Wohl eher im Schuhschrank meiner Großmutter. In einem Satz zusammengefasst lässt sich die Mode ungefähr so beschreiben: die Leute sehen scheiße aus, und dass mit voller Absicht. Wer sich selbst ein Bild verschaffen möchte, schaut einfach mal hier rein.

Mit den Klamotten alleine ist es leider noch nicht getan, denn die neue Spezies zeichnet sich noch durch ein weiteres Attribut aus: die Masse. Es laufen nicht einige so durch die Gegend, sondern viele. Richtig viele. Genau genommen zu viele. Die Leggins-Fraktion erinnert inzwischen stark an den Happy-Raver, oder auch Karstadt-Raver, der (gottseidank) irgendwann Ende der 90er ausgestorben ist. Erkennungszeichen: Extrem-Schlaghose, Igelfrisur und Leuchtstäbchen. Die Leuchtstäbchen konnte man wahlweise durch weiße Handschuhe, Trillerpfeifen oder anderen Firlefanz ersetzen, den diese Flachpfeifen damals mit sich herum geschleppt haben. Uniformierte, die meinen ihre Zugehörigkeit zur Szene über ihre Kleidung ausdrücken zu müssen.

Während der letzten 15 Jahre gab es immer einmal wieder solche Gruppen, aber seit den Igel-Frisuren war keine so penetrant wie diese. Gruppenzwang vom Feinsten, denn die Normalos in Jeans und T-Shirt sind in der Unterzahl. Und genau das hat Techno eigentlich auch nie gebraucht. Der Typ im Anzug stand neben dem Typ im T-Shirt und alle haben getanzt. Wer sich wie anzieht, ist eigentlich egal und gerade die Vielfalt an völlig normalen und völlig schrägen Vögeln macht Techno und die vielen Open Airs eigentlich erst so interessant. Und deshalb habe ich keine Lust auf Veranstaltungen, auf denen die Anwesenden alle in Schwarz, alle in Baggy Pants oder alle im Anzug auftauchen. Wer eine Uniform tragen muss, um sich mit etwas zu identifizieren, hat in meinen Augen etwas falsch gemacht.

Was bleibt, ist die Hoffnung. Die Hoffnung, dass dieser Trend genauso schnell in der Versenkung verschwindet, wie er aufgetaucht ist. Denn auch das war bisher immer der Fall und meistens verschwinden dann auch die Leute. All die hippen, coolen Styler, die zum abfeiern zwar drei Whiskey-Cola in dreißig Minuten abkippen können, von Techno aber so viel Ahnung haben wie ich von chinesischen Kochrezepten. Für euch habe ich nur eine Botschaft: haut ab und nehmt eure beknackte Uniform gleich mit. In diesem Sinne: bis zum nächsten Mal, oder besser gesagt bis zum nächsten Hype. Ich bleibe solange bei Jeans und Turnschuhen – und vor allem der Musik treu. Und nicht vergessen, den neuesten Style könnt ihr euch kaufen, echten Stil nicht. Den hat man, oder eben nicht.

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80er, Dickhead, Hipster, Stil, Style, Techno
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Let’s dance

Bastian | 25/04/2011 | 20:46

Ostern 2011 war richtig gut. Als überzeugter Agnostiker habe ich die vier freien Tage genossen, die mir dank der Osterfeierlichkeiten zur Verfügung stehen. Zur Verfügung steht mir der Tag, weil ich keiner Kirche angehöre und diese soweit es sich irgendwie vermeiden lässt auch nicht besuche. Meine Kathedrale ist der Darmstädter Ratskeller und wenn ich sinniere, dann bei einem frischen Radler. Oder anders gesagt: ich verbringe die Zeit wie die überwiegende Mehrheit. Mit Gammeln, dem Besuch von Freunden oder Freizeitveranstaltungen. Doch manch einem ist das nicht genug. Ein kleiner Teil der Bevölkerung stört sich am Tanzverbot und geht sogar dagegen auf die Straße. In Frankfurt gab es am Karfreitag einen Flashmob mit rund 1000 Teilnehmern, zu dem auch ich via Facebook eingeladen wurde. Und über diesen Flashmob habe ich mir so meine Gedanken gemacht.

Obwohl ich oft und gerne tanzen gehe, habe ich mich ferngehalten. Und zwar weil die Veranstaltung ein Widerspruch in sich ist. Tanzen für das Recht auf freie Entfaltung, Tanzen gegen veraltete Gesetze, Tanzen weil wir eine Multikulti-Gesellschaft sind. So sagt es zumindest eine der Teilnehmerinnen. Eine weitere beschwert sich darüber, dass wir an Ostern das machen müssen, was die Christen wollen. Und genau hier liegt meines Erachtens der Widerspruch. Wir müssen nicht das machen, was die Christen wollen, denn es wird niemand gezwungen in die Kirche zu gehen. Es herrscht auch kein Ausgangsverbot und an der Tanke werden weiterhin Sechserpacks verkauft. Das einzige, was offiziell nicht geht, sind Tanz- und Sportveranstaltungen. Ansonsten kann sich der Mensch weiterhin frei entfalten.

Weihnachten, Ostern, Christi Himmelfahrt, Pfingstmontag. Kombiniert mit den 24 bis 30 Urlaubstagen ergibt sich für Otto Normalverbraucher daraus ein ganz erhebliches Freizeitpotenzial, vor dem Bewohner anderer Länder nur mit Neid erblassen können. Und damit bloß nichts schiefgeht, gibt es zu Jahresbeginn regelmäßig Ratgeber, wie sich mit geschickten Kombinationen das Maximum an Urlaub herausholen lässt. Und gerade deshalb bleibt es mir unverständlich, wie man sich angesichts so viel geschenkter Freizeit so aufregen kann. Ein Wochenende im Jahr geht es notfalls auch mal ohne Disco. Ich jedenfalls ziehe das lange Wochenende dem unbedingten Recht aus Selbstbestimmung vor. In diesem Sinne: frohe Ostern.

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Feiertage, Flashmob, Ostern, Tanzverbot
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Firefox 4 – Unscharfe Schrift, Download-Status und anderer Unsinn

Bastian | 27/03/2011 | 11:39

Seit gut einer Woche steht der Firefox 4 zum Download bereit und wurde während dieser Zeit mehr als 30 Millionen mal herunter geladen. Das Update bringt mehr Geschwindigkeit und neue Funktionen, doch nicht alle Benutzer sind mit dem Update glücklich. Denn einige Anpassungen werden als Verschlimmbessserung betrachtet. Die unscharfe Schrift, der neue Aufbau und nicht zuletzt der Wegfall der Statusleiste. In diesem Beitrag möchte ich deshalb kurz die zwei wichtigsten Addons vorstellen, mit denen sich die gewohnte Optik halbwegs passabel wiederherstellen lässt.

Scharfe Schrift dank Anti-Aliasing-Tuner

Der erste Knackpunkt im neuen FF ist die unscharfe Schrift. Wer damit Probleme hat, kann zweierlei Maßnahmen ergreifen: zum einen kann die Hardwarebeschleunigung deaktiviert werden, die jedoch zur Steigerung der Leistung des Browser eingebaut wurde. Es gibt deshalb noch einen zweiten Weg, der Schrift Herr zu werden: den Firefox AntiAliasing Tuner, mit dem sich nicht nur das Rendering der Schrift verändern lässt, sondern auch der Cleartype-Faktor. Das Addon bietet umfangreiche Einstellungsmöglichkeiten, die bis zur Deaktivierung reichen. Die persönliche Einstellung muss jeder für sich selbst herausfinden, der Einfachheit halber stelle ich dennoch einen Screenshot meiner Einstellungen zur Verfügung.

Anti Aliasing Tuner für Firefox 4

Anti Aliasing Tuner für Firefox 4

Downloadstatus dank Status-4-Evar

Eine zweite Neuerung, die vielen Nutzern sauer aufstößt, ist der Wegfall der gewohnten Statuszeile. Vermisst wird von vielen Nutzern der Status von Downloads, der im alten Firefox eine genaue Auskunft gab, wie lange die Restzeit eines Downloads beträgt. In Firefox 4 gibt es nur noch eine Addon-Leiste, in der diese Funktion nicht mehr vorhanden ist. Auch hier müssen Nutzer auf ein Addon zurückgreifen. In diesem Fall Status-4-Evar von Sparky Bluefang, das bereits über 100.000 Mal geladen wurde. Mit dem kleinen Tuner lässt sich unter dem Punkt “Download” die Statusanzeige wieder aktivieren. Wer zusätzlich auf die Option “Time Remaining” umschaltet, kann zukünftig wieder mit der gewohnten Optik arbeiten.

Status-4-Evar

Status-4-Evar

Neu ist nicht immer besser

Die hier aufgezählten Punkte sind nur zwei einer langen Liste, die bei mir wieder einmal folgende Frage aufwerfen: warum vergessen so viele Produktdesigner immer wieder dieselbe Zielgruppe? In diesem Fall die Wechselunwilligen. Wenn mir ein Feature weggenommen wird, möchte ich gerne den tieferen Sinn und Nutzen verstehen. Und den erkenne ich beim Wegfall der Statusanzeigen einfach nicht. Genausowenig wie beim Cleartype-Gedöns, das ganz offensichtlich noch ein paar mehr Leute stört als mich. Vielleicht bin ich in der Hinsicht aber auch einfach nur von Windows verwöhnt. Ja, richtig gehört, von Windows. Dort findet sich in jeder Version des Betriebsystems die Möglichkeit zur “klassischen Ansicht” zu wechseln.

Genau diese Option vermisse ich beim Firefox 4. Ich will nicht erst das Internet abgrasen und stundenlang Addons ausprobieren, sondern mit einem Klick mein gewohntes Bild wiederhaben. Danach bin ich gerne bereit, neue Funktionen Schritt für Schritt auszuprobieren. Anderen Benutzern geht das übrigens auch so, und nicht alle haben dieselbe Muße wie ich. Es gibt Google Chrome und andere Browser, die nur einen Mausklick entfernt sind ;)

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AntiAliasing-Tuner, Cleartype, Firefox, Firefox 4, Status-4-Evar, unscharfe schrift
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iTunes von Windows XP nach Windows 7 umziehen

Bastian | 18/10/2010 | 11:22

Eigentlich sollte an dieser Stelle ein Beitrag zu versteckten Backlinks in Foren erscheinen, doch erstens kam es anders und zweitens als ich dachte. Schuld daran sind Windows 7 und iTunes, zu denen ich in letzter Zeit immer häufiger Fragen erhalte. Mit der zunehmenden Verbreitung des neuen Betriebssystems steigt auch die Zahl der iTunes-Umzüge und hier erleben die Nutzer oft eine böse Überraschung. Nach dem Import in Windows 7 kann iTunes die Musik nicht mehr finden. Schuld daran ist eine Änderung in der Struktur des Dateisystems von Windows, die sich jedoch mit ein paar Handgriffen korrigieren lässt.

Speicherort hat sich geändert
Am besten fangen wir jedoch von vorne an und suchen erst einmal nach der Ursache des Übels: wer die Standardeinstellungen von iTunes benutzt, findet Podcasts, gekaufte Musik und andere Inhalte in den Eigenen Dateien. Der exakte Pfad lautet

C:/Dokumente und Einstellungen/BENUTZER/Eigene Dateien/Eigene Musik/iTunes/

Wobei BENUTZER für den jeweiligen Account in XP steht. Schaut man sich die Struktur von Windows 7 an, lautet der Pfad jedoch völlig anders

C:/Users/BENUTZER/Music/

und diese Abweichung im Dateipfad verursacht das Problem.

Grundlagen: Notepad ++
Selbstverständlich lassen sich die Pfade einzeln innerhalb von iTunes korrigieren, doch das kostet Zeit. Viel Zeit. Einfacher ist es die gesamte Bibliothek zu bearbeiten und den Pfad zu ersetzen. Dazu braucht man lediglich einen kleinen Editor und drei Minuten Zeit. Als Editor verwende ich Notepadd ++ – eine Erweiterung des klassischen Notepads mit farblicher Hervorhebung von Quelltext (Code + Syntax Highlighting). Das Notepad ++ ist Freeware, schnell installiert. Wer keine Lust auf Installationen hat, kann auch mit dem Notepad / Editor von Windows arbeiten.

iTunes Music Library.xml editieren
Der Fehler selbst versteckt sich in der iTunes Music Library.xml, die nach dem Import unter folgendem Pfad zu finden ist

C:\Users\BENUTZER\Music\iTunes
(Bibliotheken -> Musik -> iTunes)

Diese .xml Datei wird nun mit dem Notepad(++) geöffnet und nach dem oben beschriebenen Dateipfad durchsucht, der in iTunes jedoch ein wenig anders gespeichert. So sieht die Suche aus:

file://localhost/C:/Dokumente%20und%20Einstellungen/BENUTZER/Eigene%20Dateien/Eigene%20Musik/

über die Funktion ersetzen wird dieser Eintrag nun durch

file://localhost/C:/Users/BENUTZER/Music/
ersetzt und schon ist die gesamte Bibliothek wieder verfügbar.

Wichtige Hinweise
Bei der oben beschriebenen Methode muss BENUTZER immer durch den korrekten Benutzernamen ersetzt werden. Mit dem Benutzernamen meldet ihr euch in der Regel an bei Windows an. Ebenfalls interessant: wer seine Musiksammlung auf eine neue Festplatte umziehen möchte, kann genau dieselbe Methode anwenden. Hier ein praktisches Beispiel:

file://localhost/C:/Users/Punk/Music/iTunes/

habe ich jüngst nach

file://localhost/D:/Musik/iTunes/

Umgezogen, als mir die Systemplatte zu voll wurde. Das Prinzip der Dateipfade sollte damit klar sein. Viel Erfolg bei ausprobieren und nicht vergessen(!) vor jedem Experiment an der Datei eine Sicherheitskopie zu erstellen ;)

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iTunes, Notepad ++, Windows 7, Windows XP
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Höllenritt

Bastian | 01/09/2010 | 18:42

Ich glaube nicht an Gott, aber sollte es ihn geben, sind wir seit letzten Freitag Quitt. Nach meiner Rechnung hätte ich sogar den einen oder anderen Fehltritt gut. Denn seit sechs Tagen läuft mein Leben in Schüben ab. Stehend oder liegend, doch auf keinen Fall sitzend, denn kurz hinter dem Allerwertesten wurde ein kräftiges Stück herausgeschnitten. Die genauen Details erspare ich mir, allerdings muss ich das Erlebnis Niederschreiben und – der modernen Technik sei Dank – lässt sich so ein Laptop auch prima bedienen wenn man auf dem Bauch liegt. Na ja vielleicht nicht ganz so prima, denn der Prozess des Schreibens erinnert wohl eher an einen spastischen Anfall.

Das alleine rechtfertigt noch keine Geschichte über so etwas banales wie eine OP, doch ganz so banal ist die Sache leider nicht. Aus mir Herausgeschnitten wurde ein Polyp und weil eine Naht an dieser Stelle nicht möglich ist, muss die Wunde langsam abheilen. Soweit der Plan der Mediziner, die mit ihrem allzeit freundlichen Lächeln genauso gut Backrezepte oder Aufbauanleitungen für Ikea-Möbel vorlesen könnten. Warum können die nicht einfach die Wahrheit sagen. Denn die Wahrheit ist, es tut scheiße weh, und dass im wahrsten Sinne des Wortes und ganz anders als bei allen anderen OPs. Denn die Wunde heilt nicht einfach ab. Mit jedem gang aufs Klo findet der Heilungsprozess ein vorzeitiges und jähes Ende. Mir kommt es sogar so vor, als fängt er jedes Mal von vorne an. Das Gewebe wird gedehnt, platzt wieder auf und… ich erspare euch das lieber. Es tut einfach scheiße weh und das immer wieder.

Schmerzen. Infernale, barbarische, pochende, stechende, brennende, hässliche Schmerzen. Beim ersten Mal habe ich geschrien und als das zum letzten Mal passiert ist, hatte sich meine rechte Hand fast vom Arm verabschiedet. Und dann wird es besser, hört ganz langsam auf, bis es am Ende nur noch ein schwaches Pochen ist. Irgendwann fühle ich mich dann wieder richtig gut, nur um einen Toilettenbesuch später erneut im Tal der Schmerzen zu landen. Genau so muss sich Folter anfühlen und der Mensch, der Folter erfunden hat, hatte vorher diese OP. Den Schmerz solange  ausreizen, bis das Opfer kurz vor der Besinnungslosigkeit ist, dann aufhören, erholen lassen und wieder von vorne anfangen. Und irgendwann dreht man durch, drehe ich durch.

Aber was soll man auch erwarten. Schon das Gespräch mit dem Anästhesisten hatte etwas von einem Psychothriller und in meinen  Paracetamol gepeitschten Träumen verfolgt mich der grauhaarige Mann mit einem diabolischen Lachen und jagt mich durch die Gänge des Krankenhauses. Aber was soll man auch erwarten. Ist es normal, dass man nach einer OP mit Vollnarkose noch am selben Tag ohne Gespräch mit dem Arzt nach Hause geschickt wird? Ist es normal, zwei Tage statt der notwendigen Woche krankgeschrieben zu werden? Und ist es normal, dass die Arzthelferinnen über ihre Kolleginnen ablästern, als wäre ich gar nicht im Raum? Die Odyssee zur Praxis am Montagmorgen hat mich jedenfalls wieder einmal an der Menschheit zweifeln lassen.

Inzwischen habe ich keine Lust mehr, zu essen. Genauer gesagt habe ich Angst davor, denn ich weiß was mir blüht. Ohne Essen keine Heilung, mit Essen neue Schmerzen. Eine beschissene Situation. Ich habe es mit Suppe versucht, aber spätestens nach der zweiten Ladung schreit mein Körper nach den Köstlichkeiten, mit denen ich ihn sonst verwöhne. Saftiges Rinderfilet, eine Pizza vom Stammitaliener, Rippchen mit Sauerkraut. Verdammt noch mal, ich möchte essen! Ich möchte schlemmen und mich am Ende in einer Badewanne voll Spaghetti-Sauce ertränken. Und dann wieder nicht. Denn im Hinterkopf spricht der kleine Mann, auf dessen Geheiß ich am Ende mit stoischen Kaubewegungen Nahrung zuführe, ohne dabei groß zu denken. Denn wenn ich weiter denke, habe ich in zwei Wochen den nächsten Termin. Dieses Mal wegen des Magengeschwürs.

Alles in allem ist es irgendwie merkwürdig. Ich liege hier und es geht mir gut. Gut dank meines Hausarztes, der mich heute nicht nur noch einmal krankgeschrieben hat, sondern auch endlich ordentliche Schmerzmittel. Und nun liege ich da und überlege, was ich als nächstes mache. Vielleicht eine Auszeit im Job, um die Grundausbildung bei den Marines zu absolvieren. Oder vielleicht Survival-Training in Sibirien? Das habe ich gestern im Discovery Channel gesehen und ich glaube, jetzt bin ich echt bereit für die Scheiße. Vierzig Grad Minus, schlafen in stinkenden Höhlen und als Essen tiefgefrorene Eichhörnchen. Und vielleicht, ganz vielleicht ist das ja doch noch eine Nummer härter als das hier. Am besten fange ich aber erstmal klein an. Mit dem Hinsetzen zum Beispiel…

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Bastian | 27/07/2010 | 14:07

Im Grunde braucht dieser Beitrag nicht mehr als einen Link auf das Bildblog. Ein paar Zeilen möchte ich dennoch ergänzen. Und zwar in Form einer Frage: wo bleiben die Aufmacher, die sich mit der Bildmanipulation beschäftigen? Ist die Loveparade so viel unwichtiger als die Ölpest, ist die Manipulation der Luftaufnahme weniger Schlimm als die der Monitore bei BP, oder geht es vielleicht doch wieder darum, dass man sich in der Medienlandschaft nicht gegenseitig ans Bein pinkelt? Nehmt euch eure Pseudomoral und steckt sie euch dahin, wo keine Sonne scheint ;) Und wenn ihr damit fertig seid, lest euch diesen Beitrag durch

Was von der Loveparde übrig blieb

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BILD, Bildmanipulation, BP, Junk-Food-Journalismus
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Sensationsmeldungen im Sommerloch

Bastian | 24/07/2010 | 21:05

Journalismus ist schon eine tolle Sache. Vor allem dann, wenn es gerade mal wieder nichts zu melden gibt. Dumm nur, dass Zeitungen und Internetportale auch in der Saure-Gurken-Zeit gefüllt werden müssen. Zum Beispiel mit den skandalösen Bildmanipulationen des Ölkonzerns BP, der sich – zugegeben – gerade nicht mit Ruhm bekleckert. Das Problem an der Sache: die sogenannten “Manipulationen” wären unter normalen Bedingungen wahrscheinlich noch nicht einmal eine Randnotiz wert. Denn der Konzern versucht weder etwas vorzutäuschen, noch etwas zu vertuschen. Die betroffenen Bilder wurde lediglich ein bißchen aufgehübscht. Eine gängige Praxis übrigens auch in vielen Online-Redaktionen, die vom Bildblog erst jüngst im Fall einer russischen Spionin und dem Bundestrainer thematisiert wurde.

Was ist also genau passiert? Wie den Medien zu entnehmen ist, hat BP das Foto seines Kontrollzentrums nachbearbeitet und so einige nicht funktionierende Monitore kaschiert. Nachlesen kann man das bei Gawker, die den “Skandal” aufgedeckt haben. Ein weiteres Photo zeigt einen Helikopter, der angeblich in der Luft ist, sich in Wahrheit jedoch auf dem Flugdeck befindet. Und das war es auch schon. Es wurde kein neues Ölleck wegretuschiert, es wurde keine weitere Mega-Panne vertuscht, sondern lediglich ein bißchen PR betrieben. Für den einen oder anderen Medienkritiker mag das vielleicht schon zu viel sein, aber der “WTF-Faktor” mag sich bei mir einfach nicht einstellen. Vielleicht liegt das ja einfach daran, dass heutzutage Hinz und Kunz seine Fotos manipuliert und sich normalerweise niemand darum schert.

Gute Beispiel sind der fast schon legendäre Film von Dove, der uns die alltägliche Manipulation in aller Grausamkeit vor Auge führt, aber auch Seiten wie Photoshop Disasters, wo praktisch täglich Pleiten und Pech und Pannen aus dem Bereich der Bildbearbeitung zur Schau gestellt werden. Und dort landen nur die wichtig heftigen Fälle. Von den Print- und Online-Medien fange ich hier am besten gar nicht erst an, denn dann wird es richtig peinlich. Manipuliert wird überall. Von der Internetgemeinde aus Spaß an der Freude (Danke Ludwig ;) , von Medien weil der Bildausschnitt nicht ins Layout passt und von Konzernen weil die Bilder eben hübsch sein sollen. Sicherlich hat sich BP einen schlechten Zeitpunkt ausgesucht und sollte das nächste Mal jemand engagieren, der sich auch mit Photoshop auskennt, aber vorwerfen kann man der PR-Abteilung nun wirklich nichts. Zumindest nicht, wenn man sich den täglichen Wahnsinn anschaut. Zur besseren Veranschaulichung hier noch ein paar weitere Beispiele aus dem ganz normalen Leben…

Photoshop Disasters 01
Photoshop Disasters 02
Photoshop Disasters 03
Photoshop Disasters 04
Photoshop Disasters 05

Das sind die wirklichen und alltäglichen Skandale, um die sich niemand schert. Also hört doch bitte mit der lächerlichen Vorstellung auf.

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BP, Junk-Food-Journalismus, Photoshop, Sommerloch
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Der No-Follow-Wahnsinn

Bastian | 17/07/2010 | 10:38

Mit Ankündigungen ist das immer so eine Sache. Eigentlich hatte ich beschlossen, hier nichts mehr über Trends und Technik zu schreiben, allerdings ist die Fantasy-Geschichte dann doch irgendwie im Sand verlaufen. Und bevor hier gar nichts mehr passiert, schreibe ich eben wieder über Technik. Das Thema des Tages sind Links, oder besser gesagt waren Links, denn davon zähle ich leider immer weniger. Schuld daran sind Spambots, SEO-Strategen und andere Spielverderber, in deren Bugwelle ich in letzter Zeit immer häufiger gerate. Aber vielleicht fangen wir einfach mal von vorne an.

Seit vielen Jahren betreibe ich eine Spielseite, auf der sich allerhand nützliche Informationen finden. Wir erklären den Leuten, wie das Spiel funktioniert, wo sie Zusatzinhalte finden und was sie im Falle von technischen Problemen tun können. Nicht selten führt das zu externen Referenzen. Menschen, die unsere Seite und dort Hilfe gefunden haben, verlinken sie in Foren und Blogs. Über die letzten acht Jahre hat uns das eine stattliche Zahl von Backlinks eingebracht. Zeitweise über 30.000 Stück. Das Problem an der Sache ist, dass die Zahl stetig abnimmt. Zum einen verschwinden Angebote aus dem Netz, zum anderen werden die Links entwertet. Das Zauberwort heißt “rel nofollow” und langsam aber sicher geht es mir auf den Keks.

Über den Zusatz rel nofollow werden Links entwertet. Das bedeutet, wenn Google in einem Forum vorbeischaut und eingangs erwähnte Links auf unsere Spielseite findet, werden sie schlicht ignoriert. Eingesetzt wird der Tag, weil sich ein immer größerer Teil der Internet-Gemeinde darauf spezialisiert hat, Foren zur Platzierung von Links zu nutzen. Da wäre der klassische Spambot, der nachts auftaucht, ein dutzend Threads mit Links eröffnet und wieder verschwindet, aber auch der SEO-Stratege, der langsam Accounts aufbaut und die Links behutsam platziert. Mit Rel nofollow wird man all diese Probleme auf einmal los. Links werden generell entwertet, die Platzierung von Links nicht mehr interessant.

Das große Problem dabei ist allerdings die Bestrafung der “Guten”, denn nach dem bisherigen Prinzip wird schlicht alles entwertet. Und hier liegt das Problem, denn es gibt bessere Lösungsansätze. Negativlisten zum Beispiel, wie sie bei Browser-Add-Ons wie NoScript oder Foren-Software im Bereich der Wort- oder URL-Filter zum Einsatz kommen. Was also fehlt, sind ordentliche Plugins, mit denen man bestimmte Links über eine Blacklist mit rel nofollow versehen kann und dem Rest seine Linkpower zugesteht. Denn so, wie es jetzt ist, wird sich das Internet irgendwann gegenseitig entwertet haben. Stellen wir auf unserer Spielseite nämlich fest, dass uns von einer bestimmten Plattform die Links flöten gegangen sind, machen wir das ganz genauso. Keine sehr elegante Lösung, aber die notwendigen Plugins müssen erst noch geschrieben werden.

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Foren, Linkbuilding, Rel Nofollow, SEO
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Masse statt Klasse

Bastian | 20/12/2009 | 15:58

Als Online-Redakteur gehört Google seit vielen Jahren zu meinem Alltag. Ich muss Texte und Überschriften in Richtung Suchmaschine optimieren, die richtige Dichte der Keywords beachten und bevor ich den Artikel schreibe erst einmal überlegen, was denn überhaupt die wichtigen Keywords sind. All das sind Dinge, mit denen ich leben kann. All das sind Dinge, mit denen ich in meinem Beruf inzwischen leben muss. Langsam aber sicher geht mir der Optimierungswahnsinn aber auf den Keks, denn ich habe immer mehr das Gefühl für eine Maschine zu schreiben anstatt für meine Leser. An einem aktuellen Beispiel möchte ich das demonstrieren.

Zu einem Thema erscheinen meistens viele Meldungen, die seitens der Agenturen in einem “Roundup” gebündelt werden. Diese Bündelung macht nicht nur aus redaktioneller Sicht großen Sinn, sondern auch in Hinblick auf die Leserschaft. Wer eine Website besucht, möchte in der Regel nicht 20 einzelne Meldungen mit jeweils drei Sätzen lesen, sondern eine zusammengefasste Meldung mit den wichtigsten Fakten. Und so wird es bisher auch gehandhabt. Die Betonung liegt dabei auf “bisher”, denn in Zukunft könnte das alles ganz anders aussehen.

Schlaue Köpfe aus dem SEO-Bereich sind der Überzeugung, dass es Google besser gefällt, wenn in einem Medium viele Nachrichten zu einem Thema erscheinen. Wenn Airbus oder Boeing ein neues Flugzeug starten lassen, schreiben wir zukünftig also am besten drei Artikel. Einen am Morgen, der sich mit dem Start am Mittag beschäftigt, einen am Mittag, in dem es um den Start geht, und einen am Nachmittag, wenn das Flugzeug wieder gelandet ist. Schön ist das nicht und ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass irgendjemand gesteigerten Wert auf eine solche Stückelung der Inhalte legt.

Betrachtet man sich diese Vorgaben ein wenig genauer, ist die Berichterstattung im Online-Bereich nicht mehr  weit entfernt von einer Automatisierung. Warum noch groß Arbeit in einen Text stecken, wenn man am Tag ohnehin vier oder fünf davon produzieren muss? Spaß macht das nicht und mit Journalismus hat es auch nicht mehr viel zu tun. Masse statt Klasse, wieder einmal…

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Online-Journalismus, SEO, Suchmaschinen-Optimierung
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Respekt, Frau Enke, Respekt

Bastian | 11/11/2009 | 22:08

Als ich heute Morgen ins Büro kam, war mir die Tragweite der Ereignisse bereits bewusst. Bereits nach dem Freitod von Adolf Merckle lag diese Mischung aus Trauer und Neugier in der Luft, die Journalisten nun einmal Eigen ist. Was genau ist an den Bahngleisen passiert und was genau hat unseren Nationalkeeper zu diesem Schritt bewogen. Was sagen die Mannschaftskollegen, was sagt der DFB und – vor allem – was sagt seine Frau. Und dann kamen Sie, Frau Enke, und haben sich souverän der Meute gestellt und der Welt einfach erzählt, was alle wissen wollten.

Sich dem Blitzlichtgewitter auszusetzen ist auch ohne einen so tragischen Verlust eine Leistung, die honoriert werden muss. Angesichts der Umstände verdient sie den höchsten Respekt. Und nicht nur deswegen, sondern auch weil Sie Ihrem Mann damit eine letzte große Ehre erweisen. Sie machen seine Krankheit öffentlich und sorgen so nicht nur für eine längst überfällige Diskussion um das Thema Depression, sondern nehmen den weniger feinfühligen Kollegen auch den Wind aus den Segeln. Den Kollegen, die bereits kurz nach der ersten Meldung im Dreck wühlen.

Was war da los mit dem Enke? War die Ehe zerrüttet? Gab es vielleicht eine Geliebte? Manchem Schreiberling ist sich ja für nichts zu schade und ich warte eigentlich fast schon stündlich auf die ersten Bilder vom Friedhof, den ihr Mann so gerne besucht hat. Zumindest wenn man den Berichten Glauben schenken darf. Spekuliert wird also immer noch, aber mit allergrößter Wahrscheinlichkeit viel weniger stark, als wenn sie geschwiegen hätten. Nun ist alles gesagt, die Geschichte ist erzählt. Und wenn wir alle viel Glück haben, bleibt es auch dabei. Abschließend kann man sich nur wünschen, es gäbe mehr Frauen von Ihrem Charakter, mehr Frauen von Ihrem Format.

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