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Bastian | 03/08/2009 | 13:10

Bilder sagen mehr als tausend Worte…

Arbeit im Akkord...

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Verkehrte Welt

Bastian | 11/03/2009 | 20:49

Es ist ein trauriger Tag, dieser 11. März, denn wieder einmal hat ein junger Mensch zur Waffe gegriffen und damit das Leben anderer Menschen beendet. Passiert ist das alles in Winnenden und die kommenden Tage und Wochen werden geprägt sein von Debatten, was genau beim Tim K. falsch gelaufen ist. Es wird um Killerspiele gehen. Wieder einmal. Es wird um das Waffengesetz gehen. Wieder einmal. Und es wird um den Jugendschutz gehen. Und am Ende werden neue Gesetze beschlossen und noch mehr Überwachungs- und Kontrollstaat geschaffen, die den nächsten Amoklauf auch nicht verhindern werden. Doch das soll heute nicht das Thema sein.

Es gibt sicherlich genug Experten, die sich ab jetzt den Mund fusselig reden. Hier geht es – wie so oft – um die Arbeit der Meute Medien, die sich wieder einmal mit wenig Ruhm bekleckert haben. Statt zu entwirren und Ordnung ins Chaos zu bringen, haben sich Nachrichtenagenturen, Fernseh- und Radiosender mit Meldungen überschlagen und so für totale Verwirrung gesorgt. Der Täter ist gefasst, dann wieder nicht und am Ende hat er sich erschossen. Oder wurde erschossen auf der Flucht, während eines Feuergefechts. Dazu wurden Fehler gemacht und dokumentiert. Langsam wird es ruhiger und die Meute versammelt sich vor dem Haus des Opfers, um den Eltern das letzte bißchen Selbstachtung zu rauben. Es ist schon eine beschissene Welt in der wir Leben.

Heute haben wir jedoch eine neue Stufe erreicht: Twitter. Ich muss zugeben, dass ich auf diesem Weg auch die eine oder andere Info ins Netz gestellt habe, aber was heute abging war einfach ein Tick zuviel. Journalisten aus aller Welt meldeten sich bei dem Dienst an, um so an Kontakte direkt aus der Stadt zu gelangen. CNN zum Beispiel, aber auch viele kleinere Sender, Blätter und Online-Medien aus aller Welt. Und sie hatten Erfolg. Bei Tontaube zum Beispiel, die in Winnendenarbeitet, und auch bei Zellmi, der immerhin auf Winnendenhiba schauen kann. Beide haben mit den Vorfällen also nicht direkt zu tun, aber sie sind immerhin in der Region und können einen O-Ton abgeben.

Das Ergebnis sind Berichte bei DerWesten, beim Bayrischen Fernsehen, bei Focus und etlichen anderen Online-Medien. Dort kommt die Twittergemeinde zu Wort und kann über ihre Gefühle sprechen. Und auch im Fernsehen fällt das Wort Twitter nun immer öfter. N-TV zeigt es, das ZDF zeigt es und viele andere zeigen es. Das ist neu. Das ist anders, denn bisher spielte das Internet in der Berichterstattung eher eine untergeordnete Rolle. Genau wie Zeugen aus der zweiten Reihe. Film und Fersehen belästigen sonst immer direkt Betroffene. Schüler, Eltern, Lehrer, Anwohner. Einwohner sind ein nettes Beiwerk. Anders bei Twitter. Hier kommt die breite Masse zu Wort. Amoklauf in Realtime.

Das ist schon eine kleine Sensation und Roadrunner wirft die Frage in den Raum, ob dieses Ereignis der Durchbruch für Twitter ist. Ich denke ja, denn beim Amoklauf von Emsdetten hat sich noch niemand für das Internet interessiert. Und dass, obwohl dort genauso heftig um Informationen gekämpft wurde, wie heute bei Twitter um Augenzeugen. Zu diesem Zeitpunkt jedoch noch nicht zentralisiert auf einem Dienst, sondern still und heimlich in Foren und Websites. Am heftigsten tobte der Kampf um den Abschiedsbrief von Bastian B., den dieser auf seiner Website veröffentlicht hatte. Die Polizei sperrte den Auftritt umgehend, allerdings waren bereits Kopien angefertigt und verteilt worden. Am Ende landete das Schreiben bei Indymedia und damit außerhalb der Reichweite der übereifrigen Gesetzeshüter.

Mit einem Dienst wie Twitter wäre dieser Brief in Minuten um die ganze Welt gegangen, wie es aktuell mit jeder Aussage von Betroffenen, Beamten, Experten und Politikern geschieht. Alles wird in Echtzeit dokumentiert, kommentiert und verlinkt. Der größte Liveticker der Welt, dem dauerhaft zu Folgen schnell Kopfschmerzen bereiten kann. Denn unter dem Suchwort Winnenden tickern die Tweets inzwischen im Sekundentakt ein. Informations-Overload. Also doch zurück zur Agenturnachricht, die zwar weniger schnell erscheint, dafür aber gut sortiert. Und dennoch: der Damm ist gebrochen und zukünftig werden Redakteure nach großen Ereignissen nicht nur den Fernseher anschalten und zum Telefon greifen, sondern auch Twitter einschalten und nach Stories suchen. Und die Masse wird sie ihnen liefern.

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Amoklauf, Journalismus, Neue Medien, Twitter, Winnenden
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Qualitätsjournalismus

Bastian | 07/12/2008 | 22:33

In letzter Zeit werden viele Diskussionen über die Qualität des Online-Journalismus geführt. Privat und auf der Arbeit muss ich mich der Frage stellen lassen, für welche Zielgruppe unsere Themen aufbereitet werden. Klickshows sind und bleiben in neun von zehn Fällen dümmlich und sind nur aus einem Zweck gemacht: damit der Nutzer klickt. Doch das ist heute gar nicht einmal das Thema, sondern die Beiträge selbst.

Vor einigen Tagen saß ein angehender Kollege staunend vor dem Bildschirm und fragte, ob wir die Meldungen aus dem Newsticker nicht mehr gegenrecherchieren. Und die Überraschung war groß, als wir das im Falle vieler Korrespondentenberichte schlicht verneinten. Online bleibt einfach keine Zeit um groß Geschichten zu schreiben, denn so ziemlich jedes namhafte Medium ballert die Texte inzwischen mit minimaler Bearbeitung auf dieselbe Weise auf die Seiten. Was zählt ist Geschwindigkeit und sonst nichts.

Für dieses schnelle Umschreiben und Veröffentlichen stehen wir Onliner immer wieder in der Kritik. Mangelnde Sorgfaltspflicht, fehlende Gegenrecherche, zu wenig Tiefe. An der Kritik gibt es kaum etwas auszusetzen; allerdings frage ich mich in den vergangenen Tagen immer wieder warum sie erst jetzt einsetzt. Denn im Radio wird diese Praxis bereits seit einigen Jahren gefahren und keinen stört es. Gelesen werden die Nachrichten, wie sie in der Agentur erscheinen und korrigiert wird gegebenenfalls später.

Niemand würde sich jedoch erdreisten, den vielen Radiosendern dieselben Vorwürfe zu machen wie uns Textern. Aber warum? Sobald eine Geschichte im Radio kommt, suchen die Leute auch im Internet danach. Was sollen wir also schon groß machen, als die Geschichte schnell online zu bringen? Und welche Möglichkeiten bleiben uns dabei, Texte lebendig und informativ zu gestalten? Selbst das Einholen eines Zitats ist – wenn die Meldung draußen ist – innerhalb von 30 Minuten eine sportliche Angelegenheit.

Wer guten Journalismus haben will, muss also Zeit mit bringen. Zeit, die bei den meisten Menschen nicht mehr vorhanden ist. Denn wer will schon abends um sechs eine Geschichte lesen, die bei der Konkurrenz bereits morgens um zehn erschienen ist? Niemand, denn wie ich während meines Studiums in mehreren Umfragen schmerzlich erfahren musste, ist Aktualität für den Leser das wichtigste Kriterium.

Der Journalismus wird sich deshalb verändern müssen. Und auch der Leser muss seine Gewohnheiten anpassen. Wer bei den Massenmedien liest, darf die Erwartungen nicht zu hoch schrauben. Und er wird sich daran gewöhnen müssen dieselbe Geschichte zweimal zu besuchen. Einmal nach Bekanntwerden der Meldung und ein zweites Mal am Abend, wenn die Geschichte eigentlich fertig ist. Schade eigentlich, denn neben den Lesern machen ordentliche Geschichten auch den meisten Textern mehr Spaß.

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Hätte, könnte, müsste, wäre (Jeder kann Journalist sein)

Bastian | 14/01/2008 | 10:48

Der Konjunktiv ist eine schöne Sache und zudem bei Online-Journalisten immer beliebter. Was nicht klar belegbar ist, wird einfach im Konjunktiv geschrieben oder mit einem Fragezeichen versehen. Und das schlimmste daran: inzwischen machen sogar die Agenturen bei diesem Spielchen mit. Ein typisches Beispiel für eine solche virtuelle Wortkette liest sich ungefähr so:

“Wie das Magazin X berichtet, könnte Unternehmen Y in naher Zukunft dies und jenes tun. In dem Bericht beruft sich das Magazin auf informierte Kreise.”

Und auf Deutsch übersetzt:

“Der Bruder von Karl hat dem Wilhelm neulich erzählt, dass die Karla womöglich was mit dem Peter hat. Habe ich so gehört.”

Was die Medien machen, ist also immer mehr Hörensagen. Soweit so gut und in vielen Fällen behält die Quelle auch Recht, aber eben nicht in allen und wenn man an der Quelle sitzt, weiß man auch wie hoch die Zahl der Enten ist. Denn vieles, was heutzutage gemeldet wird, stellt sich im Nachhinein als falsch oder zumindest in Teilen falsch dar. Und gerade im Internet ist es mode geworden, Dinge völlig unreflektiert und ohne ein Mindestmaß an Überprüfung zu verbreiten.

Der Zwang, Nachrichten möglichst schnell online zu stellen, spielt dabei eine große Rolle, aber genauso oft ist es Bequemlichkeit oder Faulheit. Warum zum Teleonhörer greifen und anrufen, wenn die Meldung passgerecht über die Agentur gelaufen ist. Selbstständiges Denken? Fehlanzeige, was uns zu dem Schluss bringt, dass Online-Journalismus heute eigentlich jeder machen kann. Wenn etwas unklar ist, benutzen wir einfach weiterhin den Konjunktiv. Und wenn der nicht passt, setzt man einfach das eine oder andere Fragezeichen in die Überschrift. Damit wird deutlich, dass man eigentlich keine Ahnung vom Thema hat der Bericht nicht ganz wasserdicht ist.

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