bastianberkner.de

- die anderen, die welt und ich -
  • Neues
  • Projekte
  • Leistungen
  • Impressum
  • Kontakt

Hirnfick am Freitag

Bastian | 18/09/2009 | 19:13

Ich habe gerade einen Beitrag über die Forderung verschiedener Wirtschaftsweiser gelesen, die allesamt eine Erhöhung der Mehrwertsteuer fordern. Ein Aspekt der Debatte ist dabei die ermäßigte Mehrwertsteuer auf verschiedene Produkte und Dienstleistungen. Und weil ich ganz gerne wissen wollte, was alles zum Satz von sieben Prozent versteuert wird, habe ich Google befragt. Ganz oben in der Liste ein Beitrag der “Welt” mit dem treffenden Titel “Die Liste des Absurden“, die sich lapidar mit dem Thema beschäftigt und dann in Form einer Klickstrecke mit 96 Folien einen “Überblick” aller Ermäßigungen gibt. Nach weiteren zwei Minuten Suchmaschine taucht auch die Quelle der Daten auf. Zum Beispiel Juris.de, wo die Liste noch eine Liste ist und – auch mit der unleserlichen Formatierung – in ein Textverabeitungsprogramm kopiert und ausgedruckt werden kann. Die Redakteure bei der Welt werden aber sicherlich treffliche Gründe gehabt haben, die Daten im Copy-&-Paste-Verfahren in das praktische neue Format zu transferieren. Es liest sich natürlich viel einfacher, wenn man anstelle des Scrollbalkens die Klickfunktion hat. Eigentlch absurd, überhaupt noch irgendwo Listen zu verwenden ;)

Kommentare
Keine Kommentare »
Kategorien
Neues
Tags
Klickwichserei, Medienkritik, Online-Journalismus, Welt.de
RSS Kommentare RSS Kommentare
Trackback Trackback

Handfeste Thesen

Bastian | 07/09/2009 | 19:23

Viel ist hier in letzter Zeit nicht geschehen, was wieder einmal auf einen Mangel an Zeit zurückzuführen ist. Und eigentlich hat sich an der Situation nichts verändert, doch die heute veröffentlichten 17 Behauptungen wie Journalismus heute funktioniert kann man einfach nicht unkommentiert stehen lassen. Veröffentlicht wurde das Manifest von Stefan Niggemeier, Sascha Lobo und Co., die in ihrem Beitrag vehement mehr Qualität in der Berichterstattung fordern. Und wie immer, wenn die Alpha-Blogger auf den Putz hauen, wird mit Kritik an den klassischen Medien nicht gespart. Böse Verlagshäuser, die Märkte abschirmen wollen und keine Hyperlinks setzen. Alte Medien-Welt gegen neue Medien-Welt und der Schuldige ist schnell erkannt. Doch ganz so einfach ist es nicht.

Journalismus im Internet hat kaum noch etwas mit Print zu tun, sondern ist meistens Radio in Textform. In den Radionachrichten werden die Meldungen aus den Agenturen fast eins zu eins abgelesen, im Internet werden sie 1:1 einkopiert. In meinen Gedankengängen zum Qualitätsjournalismus habe ich mir zu dem Thema bereits Gedanken gemacht – und wurde in den Kommentaren anderer Blogger prompt auf meinen Arbeitgeber reduziert. Es sind jedoch nicht nur wir, die Meldungen innerhalb von fünf Minuten ins Netz stellen, sondern angefangen vom Spiegel über den Stern bis runter auf die Ebene von Regionalzeitungen auch alle anderen. Wer etwas anderes behauptet, lügt oder will die Wahrheit nicht sehen. Und solange es nur einer macht, müssen alle anderen nachziehen.

Im Klartext bedeutet das: sehr gerne würde ich mir für bestimmte Themen mehr Zeit nehmen, um das Geschehen einzuordnen, Experten zu befragen oder Geschichten anderweitig auszubauen. Ich kann aber nicht, denn sobald die Meldung bei der Konkurrenz erschienen ist, tickt die Uhr. Denn am besten laufen Geschichten wenn sie besonders zeitnah veröffentlicht werden. Die Regel lautet: Je früher, desto besser. Im Zeitalter der Echtzeitmessung lässt sich das faktisch anhand von Klickzahlen belegen. Und so sind es gerade die großen Online-Medien, die – ob nun mit Hyperlinks in ihren Texten oder ohne – den Niedergang des Qualitätsjournalismus beschleunigen. Denn es zeigt sich noch ein zweiter Trend: Nachrichten von gestern will überhaupt keiner mehr lesen. Wer eine Geschichte “nachdreht” und erst am Folgetag bringt, arbeitet oft für die Tonne. Ein Kommentar unterhalb eines Artikels blieb mir dabei besonders in Erinnerung: “News von gestern finde ich in der Zeitung”.

Dennoch möchte ich den Text und die darin enthaltenen Behauptungen nicht in Gänze schlechtreden. Wenn es in der 10. These heißt, dass “qualitativ nicht zwischen bezahltem und unbezahltem, sondern zwischen gutem und schlechtem Journalismus zu unterscheiden ist”, kann ich das nur unterstützen. Aus der eigenen Erfahrung weiß ich: Namen sind Schall und Rauch, was neben dem Internet inzwischen leider auch für das Fernsehen gilt (Panorama lässt grüßen). Und auch den 17. Punkt kann ich nur voll und ganz unterstützen: “Nicht der besserwissende, sondern der kommunizierende und hinterfragende Journalist ist gefragt”. Und so bin ich gespannt welche Ideen die Verfasser des Manifests haben, um der breiten Masse wieder Lust auf diesen “hinterfragenden Journalismus” zu machen. Denn wie die aktuelle Berichterstattung zeigt, scheint die große Mehrheit mit der bloßen Veröffentlichung zufrieden zu sein.

Kommentare
Keine Kommentare »
Kategorien
Neues
Tags
Internet-Manifest, Medienkritik, Sascha Lobo, Stefan Niggemeier
RSS Kommentare RSS Kommentare
Trackback Trackback

Moderne Gleichschaltung

Bastian | 24/05/2008 | 19:33

Journalismus im Jahr 63 nach dem Ende der Gleichschaltung der Presse ist eine interessante Sache. Denn mal abgesehen vom Umstand, dass heute wirklich jeder Journalist sein kann, sind wir von einer neuen Gleichschaltung gar nicht mehr soweit entfernt. Und das völlig ohne Zwang, sondern alleine durch Zeitdruck und Sparmaßnahmen. Statt der Gestapo schaut heute einfach der Controller vorbei und kürzt hier ein paar Stellen und Quellen, was jedoch fast denselben Effekt wie vorgegebene Berichte hat. Denn Zeit zum Schreiben bleibt nicht mehr.

Natürlich muss heute niemand mehr ins Gefängnis oder Lager, aber Folter gibt es dennoch. Denn gefoltert werden die Leser mit identischen Meldungen auf hunderten (wenn nicht tausenden) Websites, Zeitungen und Anzeigenblättchen. Was dort steht kommt zumeist aus derselben großen Nachrichtenagentur, die den gesamten deutschen Markt bedient. Und weil die Texte mundgerecht geliefert werden, kann man sie auch 1:1 kopieren. Zum Beispiel die Geschichte über zockenden Frauen, die mir – am Kürzel “tmn” erkennbar – gleich zweimal über den Weg gelaufen ist. Einmal im Online-Angebot der Kölnischen Rundschau und zwei Tage später als Hintergrund bei “Der Westen”, wo man wenigstens noch den Namen des Autors genannt hat.

Am Text selbst ist nichts auszusetzen. Ein nettes Feature, das unterhaltsam geschrieben ist. Keine Schleichwerbung, kein unnötiges Blabla, aber eben derselbe Text in zwei Medien und kein Einzelfall. Wer bei Google-News Alerts auf bestimmte Begriffe gelegt hat, dem fallen solche Dopplungen ganz besonders auf. Und wenn man zusätzlich zum Alert noch ein wenig sucht findet man den Text auch noch in der PC Welt und bei der Netzzeitung, die übrigens dasselbe Bild wie die Rundschau benutzt. Und so, wie bei dem Beispiel des Themendienstes, ist das fast mit allen Nachrichten.

Die dpa sendet, der Redakteur wählt nur noch aus und denkt sich einen netten Einstieg aus. Und in vielen Fällen wird nicht einmal der geändert. Deutschland einig Online-Land, wo jeder alles und überall lesen kann. Das schlimme daran ist die fehlende Abwechslung. Wenn alle nur noch das gleiche Melden und die Redakteure vor Ort den Text mit ihrem Fachwissen nicht mehr einordnen und aufwerten, steuern wir online wie offline auf ein Desaster zu. Denn das Beispiel macht noch eins deutlich: der Text wird verwendet wie geschrieben. Keine Ergänzung, kein Redigieren, kein Nichts.  Armes Deutschland. Wer es selbst ausprobieren möchte, abonniert einfach ein paar Schlagwörter über Google News.

Kommentare
Keine Kommentare »
Kategorien
Neues
Tags
Copy & Paste Journalismus, Gleichschaltung, Google News, Medienkritik
RSS Kommentare RSS Kommentare
Trackback Trackback

Wenn der Spiegel auf BILD macht

Bastian | 18/01/2008 | 12:30

Bei der Lektüre von Nachrichten wird einem heutzutage ja einiges aufgezwungen. Unreflektierter Unsinn, purer Populismus und nicht selten sind die Themen dabei unter der Gürtellinie. Zum Beispiel der neueste Erguss des Spiegels zum Thema Nokia, in dem die Goldbeck GmbH so richtig durch den Kakau gezogen wird. In bester Spiegel-Manier wird dramatisiert, zugespitzt und auf dem Schweigen der Mitarbeiter vor Ort herumgehackt. Aber mal ganz ehrlich: Zum Zeitpunkt des Baubeginns war die Firma sicherlich noch nicht über die Pläne der Konzernleitung informiert und auf diesem extrem hart umkämpften Markt muss man sehen wo man bleibt. Der Vorwurf des Spiegels, hier würde “Beihilfe zur Arbeitsplatzvernichtung” betrieben, ist deshalb unverschämt und bewegt sich auf demselben Niveau wie es die Zeitung mit den vier großen Buchstaben so oft. Pfui, kann man da nur sagen und den Kopf schütteln, auf welchem Niveau hier inzwischen Quote gemacht wird.

Kommentare
Keine Kommentare »
Kategorien
Neues
Tags
Medienkritik, Spiegel.de
RSS Kommentare RSS Kommentare
Trackback Trackback

Hätte, könnte, müsste, wäre (Jeder kann Journalist sein)

Bastian | 14/01/2008 | 10:48

Der Konjunktiv ist eine schöne Sache und zudem bei Online-Journalisten immer beliebter. Was nicht klar belegbar ist, wird einfach im Konjunktiv geschrieben oder mit einem Fragezeichen versehen. Und das schlimmste daran: inzwischen machen sogar die Agenturen bei diesem Spielchen mit. Ein typisches Beispiel für eine solche virtuelle Wortkette liest sich ungefähr so:

“Wie das Magazin X berichtet, könnte Unternehmen Y in naher Zukunft dies und jenes tun. In dem Bericht beruft sich das Magazin auf informierte Kreise.”

Und auf Deutsch übersetzt:

“Der Bruder von Karl hat dem Wilhelm neulich erzählt, dass die Karla womöglich was mit dem Peter hat. Habe ich so gehört.”

Was die Medien machen, ist also immer mehr Hörensagen. Soweit so gut und in vielen Fällen behält die Quelle auch Recht, aber eben nicht in allen und wenn man an der Quelle sitzt, weiß man auch wie hoch die Zahl der Enten ist. Denn vieles, was heutzutage gemeldet wird, stellt sich im Nachhinein als falsch oder zumindest in Teilen falsch dar. Und gerade im Internet ist es mode geworden, Dinge völlig unreflektiert und ohne ein Mindestmaß an Überprüfung zu verbreiten.

Der Zwang, Nachrichten möglichst schnell online zu stellen, spielt dabei eine große Rolle, aber genauso oft ist es Bequemlichkeit oder Faulheit. Warum zum Teleonhörer greifen und anrufen, wenn die Meldung passgerecht über die Agentur gelaufen ist. Selbstständiges Denken? Fehlanzeige, was uns zu dem Schluss bringt, dass Online-Journalismus heute eigentlich jeder machen kann. Wenn etwas unklar ist, benutzen wir einfach weiterhin den Konjunktiv. Und wenn der nicht passt, setzt man einfach das eine oder andere Fragezeichen in die Überschrift. Damit wird deutlich, dass man eigentlich keine Ahnung vom Thema hat der Bericht nicht ganz wasserdicht ist.

Kommentare
Keine Kommentare »
Kategorien
Neues
Tags
Journalismus, Medienkritik
RSS Kommentare RSS Kommentare
Trackback Trackback

Junk-Food-Journalismus

Bastian | 17/10/2007 | 20:19

Eigentlich kommt dieser Text viel zu spät. Das hat viele Gründe, wovon “zu viel Arbeit” sicherlich der entscheidende ist. Doch Arbeit ist eine schlechte Ausrede um die Dinge vor sich herzuschieben die wichtig sind. Und wichtig ist dieser Text. Selbst wenn ihn keiner liest. Ausgelöst wurde alles durch einen Beitrag von Report Mainz, der sich mit einer Kampagne von Familienministerin von der Leyen beschäftigt. Wie es scheint, hat die beim Elterngeld nichts dem Zufall überlassen und auf Staatskosten Plakate gedruckt, Rundfunkbeiträge sprechen und Presseartikel schreiben lassen.

Produziert wurde alles von einer PR-Agentur auf Basis eines journalistischen Grundgerüsts, allerdings viel weniger kritisch als es ein Redakteur vielleicht getan hätte. Oder eben auch nicht. Dennoch wird das Thema zum Politikum, weil die Beiträge nicht nur im Radio ausgestrahlt werden, sondern auch viele Zeitungen die Texte unredigiert abdrucken. Ein Skandal, meint jedenfalls Report Mainz, und widmete dem Thema einen Beitrag. Danach empörte sich der Deutsche Journalistenverband und nannte das Vorgehen der Agentur in einer Stellungnahme „Propaganda in bester Form“. Doch ist das wirklich so?

Nein, ist es nicht! Und was die so genannten Wächter des Staates dort kritisieren, passiert in unseren Medien tagtäglich hunderte, wenn nicht tausende Male. Und wenn man es ganz genau nimmt, ist die Schuldfrage im Fall von der Leyen und ihrer Agentur eigntlich ungeklärt. Denn welcher Verstoß wiegt schwerer: Das geschönte Material der PR-Agentur, oder dessen unkritischer Abdruck? Muss die Öffentlichkeitsarbeit zukünftig auf journalistische Stilmittel verzichten, damit die Texte besser erkennbar sind, oder freut sich der Redakteur vor Ort nicht in der Regel über die gute Vorlage? Ist es nicht seine Aufgabe den Text kritisch zu beleuchten, Superlative zu relativieren und einseitig dargestellte Punkte in den richtigen Zusammenhang zu rücken? Die Antwort auf diese Fragen kann nur “Ja” im Sinne der Sorgfaltspflicht lauten.

Wer sich die Medienlandschaft einmal genauer ansieht wird schnell feststellen, dass der eingangs geschilderte Fall keine Ausnahme sondern die Regel ist. Von Unternehmen, Agenturen und anderen Medien fertig produzierte Texte finden Redakteure heute in Angeboten wie Presseportal.de, wo man einfach zugreifen und sich bedienen kann. Redigiert wird hier selten, stattdessen mit einem netten Bild aufgehübscht. Was sich in Tabellen oder Bildserien fassen lässt, wandert als leichte Kost auf die Startseiten der großen Internetportale. Hauptsache die Optik stimmt. Und nicht viel anders ist es mit dem Material, das aus den großen Nachrichtenagenturen wie dpa, Reuters oder AFP stammt. Was dort steht, wird vor allem im Online-Bereich auf schnellstem Weg durchgereicht. Fehler inklusive. Eigene Recherchen finden immer seltener statt und wer Zugriff auf die Texte der Agenturen hat weiß, dass auch im Radio nur 1:1 vorgelesen wird, was über den “Ticker” läuft.

Bevor Vertreter aus der Branche auf anderen Herumhacken, sollten sie erst einmal vor der eigenen Haustür kehren. Sie sollten Druck ausüben gegen die sinkende Zahl von Journalisten, gegen Sparmaßnahmen in den Redaktionen und gegen automatisierte Nachrichtenfeeds. Denn selbst der beste Redakteur streicht die Segel, wenn die Nachrichten unbearbeitet und automatisiert ins Netz gestellt werden. Und das machen nicht nur die Agenturen selbst, sondern immer mehr der so genannten Nachrichten- und “Generel-Interest-Portale”. Und selbst wenn noch “Hand angelegt” wird, beschränken sich die kreative Eigenleistung und journalistische Grundlagen dabei auf einen hübsch formulierten Einstieg, hinter den dann der fertige Text aus der Agentur geklatscht wird. Sicherlich nicht immer und überall, aber eben immer öfter. Ein Phänomen, das sich ausbreitet und durch den gnadenlosen Wettbewerb im Internet immer mehr verstärkt wird.

Geschwindigkeit hat “Content” als so genannten “King” schon lange abgelöst. Eine traurige Entwicklung, die den Redakteur immer mehr zum Techniker verkommen lässt. “Content Manager” schimpft sich das neuerdings und “Junk-Food-Journalismus” ist der bessere Begriff. Die Agentur wird zum Gedächtnis und was dort nicht gesendet wird, ist als Aspekt nicht vorhanden, wird der Öffentlichkeit nicht mehr mitgeteilt. Und selbst von Schaffenden in der Medienbranche ist immer öfter das Wort “Gleichschaltung” zu hören. Keine staatlich verordnete, sondern eine selbst auferlegte. Denn die Berichterstattung wird überschaubar, gleicht sich an und wiederholt sich immer mehr. Und wenn sich doch einmal eine eigene Idee eingeschlichen hat, wird diese von den anderen gnadenlos kopiert. “Umschreiben” schimpft sich das und nicht selten sind die zitierten Berichte anderer Medien in der Agenturversion kaum zwei Sätze kürzer als das Orginal. Und so könnte ich jetzt sicherlich drei Tage weiter schreiben, aber fürs Erste reicht es.

Kommentare
Keine Kommentare »
Kategorien
Neues
Tags
Junk-Food-Journalismus, Medienethik, Medienkritik
RSS Kommentare RSS Kommentare
Trackback Trackback

Nicht-Meldungen

Bastian | 01/06/2007 | 13:19

“Content is king” war lange Zeit das Motto deutscher Online-Redaktionen. Mit der Einführung der Echtzeitmessung im Online-Bereich hat sich das jedoch grundlegend geändert. Entscheidend ist die Einschaltquote und die ist – wie im Fernsehen – nun einmal entscheidend höher wenn die Dramaturgie stimmt. Konkret auf die Nachrichten übertragen bedeutet das: Die Hauptversammlung der Deutschen Bank oder die Tarifverhandlung der Metaller interessiert niemand mehr, während die teuersten Mieten, die höchste Verschuldung und die dicksten Kartoffeln zu wahren Besucheranstürmen führen.

Diese gefühlte Veränderung im Bereich der Nachrichten wurde jüngst auch in einer Studie thematisiert. Quote schlägt seriöse Information, heißt es in der Pressemitteilung zur Studie der Studie Klicks, Quoten, Reizwörter: Nachrichten-Sites im Internet (PDF, 2,2MB) der Friedrich Ebert Stiftung (FES). Deren Ergebnisse kann ich aus meiner rein subjektiven Erfahrung als Texter nur bestätigen. Meldungen und Presseinformationen werden “flacher” und reißerischer. Selbst dann, wenn es eigentlich keinen echten Aufmacher gibt. Die BILD arbeitet bereits seit Jahren nach diesem Schema und obwohl sich Gutmenschen und -schreiber aus Redaktionen sonst so gerne und lautstark von dieser Praxis distanzieren, arbeiten sie doch immer mehr nach demselben Schema. Beispiele dafür gibt es viele.

“Commerzbank lieferte offenbar jahrelang per Flugzeug Dollar-Banknoten an Libyen”, heißt es in der Pressemitteilung des Sterns im Presseportal und im ersten Augenblick denkt man an den Anfang einer ganz großen Affäre. Dollarnoten, Lybien, Terrorismus, illegale Geldgeschäfte. Die Geschichte wird jedoch gleich im ersten Absatz von der Commerzabnk relativiert und auch das Finanzministerium zeigt sich wenig beunruhigt. Beim deutschen Zoll wurde auch alles ordnungsgemäß angemeldet also so what? Geld transportiert wird viel und auch der Empfang des Geldes von “uniformierten Männern mit Maschinenpistolen” ist bei Beträgen über 100 Millionen Dollar wohl nichts außergewöhnliches. Persönlich würde ich wahrscheinlich noch ein gepanzertes Fahrzeug mit einem großkalibrigen Maschinengewehr daneben stellen. Gemeldet wird die Geschichte trotzdem, auch wenn die Hintergründe noch nicht volständige geklärt sind. Aber so ist das eben heutzutage und vielleicht wird eines der Flugzeuge in naher Zukunft ausgeraubt. Immerhin weiß jetzt Gott und die Welt, dass die Commerzbank in regelmäßigen Abständen Dollar zum Flughafen karrt ;)

Kommentare
Keine Kommentare »
Kategorien
Neues
Tags
Commerzbank, Friedrich Ebert Stiftung, Lybien, Medienkritik
RSS Kommentare RSS Kommentare
Trackback Trackback

Nützliches

  • Registrieren
  • Anmelden
  • Artikel-Feed (RSS)
  • Kommentare als RSS
  • WordPress.org

Altes Zeug

Schlagwörter

AdBlock Plus Amazon Amoklauf Arbeitsmarkt BILD BP Browserkrieg Buecher.de Commerzbank Copy & Paste Journalismus Deutsch-Aufsatz Deutschland sucht den Superstar DSDS Eurostat Firefox Frank Syré Friedrich Ebert Stiftung Gleichschaltung Google News IE8 Journalismus Junk-Food-Journalismus Klaus Meier Klickwichserei Lybien Markus Hündgen Mediale Medienethik Medienkritik Neue Medien Online-Journalismus Popstars Qualitätsjournalismus Ranking Rezension SEO Spiegel.de Techno Twitter Uwe Niemeier Videojournalismus Web 2.0 Weichspül-TV Welt.de Winnenden

Basti bei Twitter

Letzte Kommentare

  • Tweets die bastianberkner.de » Masse statt Klasse erwähnt -- Topsy.com bei Masse statt Klasse
  • 6 vor 9: WAZ, Redakteurspflege, TV 3.0 » medienlese.com bei Qualitätsjournalismus

Friends, Lovers, Family

  • BF-Games
  • Papa

RSS BF-Games

  • EoD Classic: Version 2.4 zum 10 Jährigen Jubiläum released 06/02/2012
  • Battlefield 3: Origin down, DLC Gerüchte und Patch 03/02/2012
  • US Intervention: Launcher, Patches und Basrah 02/02/2012
  • Forgotten Hope 2: Breda Modell 35, Bahnhof Keren und Testmap 30/01/2012
rss RSS Kommentare valid xhtml 1.1 design by jide powered by Wordpress get firefox