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Der No-Follow-Wahnsinn

Bastian | 17/07/2010 | 10:38

Mit Ankündigungen ist das immer so eine Sache. Eigentlich hatte ich beschlossen, hier nichts mehr über Trends und Technik zu schreiben, allerdings ist die Fantasy-Geschichte dann doch irgendwie im Sand verlaufen. Und bevor hier gar nichts mehr passiert, schreibe ich eben wieder über Technik. Das Thema des Tages sind Links, oder besser gesagt waren Links, denn davon zähle ich leider immer weniger. Schuld daran sind Spambots, SEO-Strategen und andere Spielverderber, in deren Bugwelle ich in letzter Zeit immer häufiger gerate. Aber vielleicht fangen wir einfach mal von vorne an.

Seit vielen Jahren betreibe ich eine Spielseite, auf der sich allerhand nützliche Informationen finden. Wir erklären den Leuten, wie das Spiel funktioniert, wo sie Zusatzinhalte finden und was sie im Falle von technischen Problemen tun können. Nicht selten führt das zu externen Referenzen. Menschen, die unsere Seite und dort Hilfe gefunden haben, verlinken sie in Foren und Blogs. Über die letzten acht Jahre hat uns das eine stattliche Zahl von Backlinks eingebracht. Zeitweise über 30.000 Stück. Das Problem an der Sache ist, dass die Zahl stetig abnimmt. Zum einen verschwinden Angebote aus dem Netz, zum anderen werden die Links entwertet. Das Zauberwort heißt “rel nofollow” und langsam aber sicher geht es mir auf den Keks.

Über den Zusatz rel nofollow werden Links entwertet. Das bedeutet, wenn Google in einem Forum vorbeischaut und eingangs erwähnte Links auf unsere Spielseite findet, werden sie schlicht ignoriert. Eingesetzt wird der Tag, weil sich ein immer größerer Teil der Internet-Gemeinde darauf spezialisiert hat, Foren zur Platzierung von Links zu nutzen. Da wäre der klassische Spambot, der nachts auftaucht, ein dutzend Threads mit Links eröffnet und wieder verschwindet, aber auch der SEO-Stratege, der langsam Accounts aufbaut und die Links behutsam platziert. Mit Rel nofollow wird man all diese Probleme auf einmal los. Links werden generell entwertet, die Platzierung von Links nicht mehr interessant.

Das große Problem dabei ist allerdings die Bestrafung der “Guten”, denn nach dem bisherigen Prinzip wird schlicht alles entwertet. Und hier liegt das Problem, denn es gibt bessere Lösungsansätze. Negativlisten zum Beispiel, wie sie bei Browser-Add-Ons wie NoScript oder Foren-Software im Bereich der Wort- oder URL-Filter zum Einsatz kommen. Was also fehlt, sind ordentliche Plugins, mit denen man bestimmte Links über eine Blacklist mit rel nofollow versehen kann und dem Rest seine Linkpower zugesteht. Denn so, wie es jetzt ist, wird sich das Internet irgendwann gegenseitig entwertet haben. Stellen wir auf unserer Spielseite nämlich fest, dass uns von einer bestimmten Plattform die Links flöten gegangen sind, machen wir das ganz genauso. Keine sehr elegante Lösung, aber die notwendigen Plugins müssen erst noch geschrieben werden.

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Foren, Linkbuilding, Rel Nofollow, SEO
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Masse statt Klasse

Bastian | 20/12/2009 | 15:58

Als Online-Redakteur gehört Google seit vielen Jahren zu meinem Alltag. Ich muss Texte und Überschriften in Richtung Suchmaschine optimieren, die richtige Dichte der Keywords beachten und bevor ich den Artikel schreibe erst einmal überlegen, was denn überhaupt die wichtigen Keywords sind. All das sind Dinge, mit denen ich leben kann. All das sind Dinge, mit denen ich in meinem Beruf inzwischen leben muss. Langsam aber sicher geht mir der Optimierungswahnsinn aber auf den Keks, denn ich habe immer mehr das Gefühl für eine Maschine zu schreiben anstatt für meine Leser. An einem aktuellen Beispiel möchte ich das demonstrieren.

Zu einem Thema erscheinen meistens viele Meldungen, die seitens der Agenturen in einem “Roundup” gebündelt werden. Diese Bündelung macht nicht nur aus redaktioneller Sicht großen Sinn, sondern auch in Hinblick auf die Leserschaft. Wer eine Website besucht, möchte in der Regel nicht 20 einzelne Meldungen mit jeweils drei Sätzen lesen, sondern eine zusammengefasste Meldung mit den wichtigsten Fakten. Und so wird es bisher auch gehandhabt. Die Betonung liegt dabei auf “bisher”, denn in Zukunft könnte das alles ganz anders aussehen.

Schlaue Köpfe aus dem SEO-Bereich sind der Überzeugung, dass es Google besser gefällt, wenn in einem Medium viele Nachrichten zu einem Thema erscheinen. Wenn Airbus oder Boeing ein neues Flugzeug starten lassen, schreiben wir zukünftig also am besten drei Artikel. Einen am Morgen, der sich mit dem Start am Mittag beschäftigt, einen am Mittag, in dem es um den Start geht, und einen am Nachmittag, wenn das Flugzeug wieder gelandet ist. Schön ist das nicht und ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass irgendjemand gesteigerten Wert auf eine solche Stückelung der Inhalte legt.

Betrachtet man sich diese Vorgaben ein wenig genauer, ist die Berichterstattung im Online-Bereich nicht mehr  weit entfernt von einer Automatisierung. Warum noch groß Arbeit in einen Text stecken, wenn man am Tag ohnehin vier oder fünf davon produzieren muss? Spaß macht das nicht und mit Journalismus hat es auch nicht mehr viel zu tun. Masse statt Klasse, wieder einmal…

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Online-Journalismus, SEO, Suchmaschinen-Optimierung
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