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Verkehrte Welt

Bastian | 11/03/2009 | 20:49

Es ist ein trauriger Tag, dieser 11. März, denn wieder einmal hat ein junger Mensch zur Waffe gegriffen und damit das Leben anderer Menschen beendet. Passiert ist das alles in Winnenden und die kommenden Tage und Wochen werden geprägt sein von Debatten, was genau beim Tim K. falsch gelaufen ist. Es wird um Killerspiele gehen. Wieder einmal. Es wird um das Waffengesetz gehen. Wieder einmal. Und es wird um den Jugendschutz gehen. Und am Ende werden neue Gesetze beschlossen und noch mehr Überwachungs- und Kontrollstaat geschaffen, die den nächsten Amoklauf auch nicht verhindern werden. Doch das soll heute nicht das Thema sein.

Es gibt sicherlich genug Experten, die sich ab jetzt den Mund fusselig reden. Hier geht es – wie so oft – um die Arbeit der Meute Medien, die sich wieder einmal mit wenig Ruhm bekleckert haben. Statt zu entwirren und Ordnung ins Chaos zu bringen, haben sich Nachrichtenagenturen, Fernseh- und Radiosender mit Meldungen überschlagen und so für totale Verwirrung gesorgt. Der Täter ist gefasst, dann wieder nicht und am Ende hat er sich erschossen. Oder wurde erschossen auf der Flucht, während eines Feuergefechts. Dazu wurden Fehler gemacht und dokumentiert. Langsam wird es ruhiger und die Meute versammelt sich vor dem Haus des Opfers, um den Eltern das letzte bißchen Selbstachtung zu rauben. Es ist schon eine beschissene Welt in der wir Leben.

Heute haben wir jedoch eine neue Stufe erreicht: Twitter. Ich muss zugeben, dass ich auf diesem Weg auch die eine oder andere Info ins Netz gestellt habe, aber was heute abging war einfach ein Tick zuviel. Journalisten aus aller Welt meldeten sich bei dem Dienst an, um so an Kontakte direkt aus der Stadt zu gelangen. CNN zum Beispiel, aber auch viele kleinere Sender, Blätter und Online-Medien aus aller Welt. Und sie hatten Erfolg. Bei Tontaube zum Beispiel, die in Winnendenarbeitet, und auch bei Zellmi, der immerhin auf Winnendenhiba schauen kann. Beide haben mit den Vorfällen also nicht direkt zu tun, aber sie sind immerhin in der Region und können einen O-Ton abgeben.

Das Ergebnis sind Berichte bei DerWesten, beim Bayrischen Fernsehen, bei Focus und etlichen anderen Online-Medien. Dort kommt die Twittergemeinde zu Wort und kann über ihre Gefühle sprechen. Und auch im Fernsehen fällt das Wort Twitter nun immer öfter. N-TV zeigt es, das ZDF zeigt es und viele andere zeigen es. Das ist neu. Das ist anders, denn bisher spielte das Internet in der Berichterstattung eher eine untergeordnete Rolle. Genau wie Zeugen aus der zweiten Reihe. Film und Fersehen belästigen sonst immer direkt Betroffene. Schüler, Eltern, Lehrer, Anwohner. Einwohner sind ein nettes Beiwerk. Anders bei Twitter. Hier kommt die breite Masse zu Wort. Amoklauf in Realtime.

Das ist schon eine kleine Sensation und Roadrunner wirft die Frage in den Raum, ob dieses Ereignis der Durchbruch für Twitter ist. Ich denke ja, denn beim Amoklauf von Emsdetten hat sich noch niemand für das Internet interessiert. Und dass, obwohl dort genauso heftig um Informationen gekämpft wurde, wie heute bei Twitter um Augenzeugen. Zu diesem Zeitpunkt jedoch noch nicht zentralisiert auf einem Dienst, sondern still und heimlich in Foren und Websites. Am heftigsten tobte der Kampf um den Abschiedsbrief von Bastian B., den dieser auf seiner Website veröffentlicht hatte. Die Polizei sperrte den Auftritt umgehend, allerdings waren bereits Kopien angefertigt und verteilt worden. Am Ende landete das Schreiben bei Indymedia und damit außerhalb der Reichweite der übereifrigen Gesetzeshüter.

Mit einem Dienst wie Twitter wäre dieser Brief in Minuten um die ganze Welt gegangen, wie es aktuell mit jeder Aussage von Betroffenen, Beamten, Experten und Politikern geschieht. Alles wird in Echtzeit dokumentiert, kommentiert und verlinkt. Der größte Liveticker der Welt, dem dauerhaft zu Folgen schnell Kopfschmerzen bereiten kann. Denn unter dem Suchwort Winnenden tickern die Tweets inzwischen im Sekundentakt ein. Informations-Overload. Also doch zurück zur Agenturnachricht, die zwar weniger schnell erscheint, dafür aber gut sortiert. Und dennoch: der Damm ist gebrochen und zukünftig werden Redakteure nach großen Ereignissen nicht nur den Fernseher anschalten und zum Telefon greifen, sondern auch Twitter einschalten und nach Stories suchen. Und die Masse wird sie ihnen liefern.

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Amoklauf, Journalismus, Neue Medien, Twitter, Winnenden
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Blogst Du noch, oder twitterst Du schon?

Bastian | 03/03/2009 | 16:30

Mit dem Thema Twitter habe ich mich ja neulich einmal beschäftigt, zu diesem Zeitpunkt jedoch eher Randnotiz zu einem anderen Thema. Inzwischen bin ich Power-User. Eigentlich habe ich den Account nur, um die Spielentwickler bei DICE , den PR-Kanal von EA und den Community-Manager von Battlefield Heroes im Auge zu behalten. Eigentlich, denn praktisch mache ich doch mit. Die Versuchung, die Tweets der anderen zu kommentieren, ist einfach zu hoch. Gestern habe ich mir den ersten Kickban eingefangen als ich BlondeGam3r gefragt habe, wie oft sie denselben Link noch posten möchten.

Aber ich schweife ab, denn meine Ausflüge in die virtuelle Welt kann jeder selbst nachlesen. Heute geht es um die Plattform an sich und einige interessante Links dazu. Der erste befasst sich mit dem Tool Twitterfeed, mit dem sich RSS-Feeds und Twitter kombinieren lassen. Der Inhabe der Accounts muss nicht mehr selbst schreiben, sondern seine Nachrichten landen automatisiert aus dem Feed im Tweet. Sehr Praktisch, aber auch furchtbar unpersönlich. Wenn ich einen RSS-Feed abonnieren möchte, nutze ich meinen Feedreader.

Wer nicht auf  Technik steht, lässt sich vielleicht von der Businessweek überzeugen. Dort ist ein interessanter Artikel erschienen, in dem sich Peter Thiel aus dem Hause Facebook zum gescheiterten Übernahmeversuch von Twitter äußert. Das Rennen um den Dienst ist also wieder offen und vielleicht schnappt ja Google zu. Zumindest ist das die Meinung eines unserer Geschäftspartner, der dieses Szenario jüngst in einem Meeting ins Gespräch brachte.

Wen auch das nicht vom Hocker reißt, der schaut einfach bei YouTube vorbei auf der Website der Daily Show vorbei . Dort findet sich (noch) eine herrliche Persiflage von Jon Stewart auf Twitter und andere Web-2.0-Applikationen. Schenkelklopfer garantiert. Freunde des geschriebenen Worts finden bei The Daily Beast  eine beißende Kritik von Mark McKinnon, der so gar kein gutes Haar an Twitter lässt. Aber irgendwo hat er Recht. Wer nichts zu sagen hat, sollte besser mal die…. und deshalb mache ich hier auch Schluss

(Mit Dank an Rory McCafferty und GraphicBooster für den Input)

Nachtrag am 14.3.2009: Der herrlichen Beitrag von Jon Stewart ist nun wieder mit einem funktionierenden Link versehen und auch hier eingebunden:

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Businessweek, Faithbook, Jon Stewart, Mark McKinnon, Twitter, Twitterfeed, Web 2.0
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Videojournalismus

Bastian | 18/01/2009 | 14:39

Hallo Blog. Hier habe ich mich länger nicht mehr blicken lassen, allerdings ist diese Seite eigentlich auch mehr das Pflichtprogramm eines interaktiv arbeitenden Menschen, denn ein wirklich ambitioniertes Projekt. Geschrieben wird für meine Gaming-Seite. Das ist jedoch ein anderes Thema und auf dem Programm steht “Videojournalismus”, mit dem ich mich vergangenen Montag befasst habe. Besser gesagt die Referenten auf einer Podiumsdiskussion im Rahmen der der Mediale, der ich beigewohnt habe.

Zur Diskussion geladen waren Markus Hündgen (DerWesten.de), Frank Syré (zoomer.de), Uwe Niemeier (Darmstädter Echo), Julia Schmid (websehen.net) und Klaus Meier (Hochschule Darmstadt). Eine hochkarätige Runde, die über eines der wichtigsten journalistischen Themen überhaupt sprechen sollte. Videojournalismus. Die “Subline” des Abends: “quick, dirty, unentbehrlich”.  Unentbehrlich? Ist den angehenden Online-Journalisten beim übersetzen per LEO der Strom ausgefallen, oder ist “essential” in diesem Kontext einfach zu “unsexy” gewesen. Vielleicht kommt das Sprachgulasch auch einfach vom vielen Twittern, wo die Zuschauer des Live-Streams vehement dazu aufgefordert wurdem dem Benutzer mediale zu “followen”. Aua, aua und nochmal aua. Und ich dachte eigentlich Microsofts “sie haben dieses Update gedownloadet” wäre sprachlich nicht mehr zu übertreffen. Die angehenden Media System Designer und Online-Journalisten schaffen es.

Mit Twitter beschäftigen wir uns später noch einmal intensiver, denn eigentlich geht es hier ja um Videojournalismus. Und dazu hatten die Experten auf der Bühne einiges zu sagen, wenn auch nicht unbedingt viel Neues. Videos verwenden sie, Videos sind teuer und Videos werden je nach Lage an der Newsfront mal mehr und mal weniger professionell produziert. Im Westen also nichts Neues (wenn man von den Lamas im Sauerland bei DerWesten absieht) , denn dasselbe gilt – wie in meinem letzten Beitrag geschrieben – genauso fürs geschrieben Wort. Keine Zeit, keine Qualität. Punkt. Die 90 Minuten bieten deshalb viel allgemeines Bla Bla, von dem ich die Hälfte schon wieder vergessen habe. Ungeklärt bleibt dabei leider die Frage,  wie “quick” und wie “dirty” Videos sein dürfen,  obwohl das Thema Qualität von Herrn Hündgen immer wieder zur Sprache gebracht wird. Erfolglos.

Spannender sind die Randnotizen. Von den twitternden Studenten ernsthaft bezweifelt werden die Ergebnisse der Untersuchung von Julia Schmid, laut denen Surfer im deutschsprachigen Raum eher auf Wackelvideos als auf (halb)professionelle Produktionen klicken. Sie scheint damit jedoch Recht zu haben. Zumindest kommt eine aktuelle Studie von Cisco Systems zum selben Ergebnis.  Die nächste Randnotiz betrifft Geschäfts- und Erlösmodelle und wenn ich den Abend richtig im Kopf habe (bei diesem Punkt nuckelte ich gerade gedankenverloren an meiner Bionade) war das Podium der Meinung, mit Videos lasse sich kein Geld verdienen. Doch ist das wirklich so? Ich glaube nicht. Bei t-online.de haben jedenfalls Werbung vor unseren Videostreams und andere haben das auch ;)

Offenbar hängt’s an der Vermarktung und was der fehlt, sind die richtige Technologie und ordentliche Standards. Dann lässt sich auch Geld verdienen. Nehmen wir als Beispiel einfach mal den Vergleich zu einer handelsüblichen Website. Kein Mensch würde im Jahr 2008 noch ein Projekt aufsetzen, das keinen Platz für Standardbanner, Medium Rectangles, Skyscraper und alle die anderen lustigen Werbemittel bietet, mit denen sich so ein Webauftritt in der Regel refinanziert. Es gibt klare Standards, die sich auf der Spielwiese Video einfach noch nicht durchgesetzt haben. Die einen setzen auf Flash, die anderen auf Windows Media und welche Größe der Film auf der Website hat scheint in vielen Fällen reine Geschmackssache. DAS Videoformat so wie DAS Standardbanner gibt es noch nicht.

Der Formatkrieg ist in vollem Gange, allerdings hat wohl kaum ein Vermarkter gesteigertes Interesse daran dasselbe Werbemittel für 20 Kunden in 70 verschiedenen Formaten zu produzieren. Das kostet Zeit und Zeit ist ja bekanntlich Geld. Dazu ist der große Vorteil der Vermarkter ja eigentlich, dass sie mit ihren Rotationen gleich mehrere Kunden beglücken können. Bei Videos wird das schwierig, wenn jeder macht wie er denkt. Technikern wird es jetzt in den Fingern jucken mir die Möglichkeiten der Skalierung um die Ohren zu klatschen. Ein Video in 16:9 und ein Video in 4:3. Vielleicht noch eins in Cinema Scope. Die Antwort darauf ist kurz und einfach: Traffic und Serverlast. Natürlich bekomme ich ein 800 x 600 Video auch in 400 x 300 Pixeln abgespielt, aber wer will das schon? Doppelte Dateigröße, doppelter Traffic, höhere Serverlast. Wenn ich 400×300 mache, will ich auch eine passende Datei. Spannend ist also die Frage, ob sich auf Druck der Vermarkter am Ende ein Format durchsetzen wird.

Zur Diskussion gestellt hätte ich diesen und andere Gedanken gerne während der Veranstaltung, allerdings war mir das am Ende zu blöd. Schuld daran ist Twitter. Genauer gesagt die Twitter-Leinwand, an die ein großer Teil der im Saal sitzenden Teilnehmer ihre Fragen schickte. Dazu Live-Bilder des Podiums, die angesichts des Live-Streams doch irgendwie sinnlos erschienen. Für alle, die diese(s) sinnlose Zeitverschwendung tolle Tool noch nicht kennen,  hier ein kurzer Abriss: auf insgesamt 140 Zeichen teilen die Teilnehmer des Dienstes anderen mit, was sie gerade tun, nicht tun oder lassen. Wenn Karl aus Colorado also gerade beim Kacken auf dem Klo eingeschlafen ist, holt er beim aufwachen sein Handy aus der Hosentasche und meldet das über “Twitterfon” seinen “Followern”. Die können solche Sensationen wiederum kommentieren und der Welt damit mitteilen, wie oft sie selbst schon auf der Schüssel eingeschlafen sind.

Das klingt scheiße langweilig? Ist es auch, und wenn diese Sinnlosdialoge nicht mit Tags versehen im Internet archiviert wären, würde sich wahrscheinlich auch kein Mensch darum kümmern. Und selbst wenn Twitter wirklich relevant für SEO ist, bleibt diese Anwendung eine Spielwiese für hypernervöse Online-Junkies, die ohne technisches Gerät in der Hand oder Hosentasche sofort Entzugserscheinungen bekommen. Zwei Tage Selbstversuche bringen mich zu dem Ergebnis, dass selbst Chatcity und das stundenlange idlen im IRC einen höheren Spaßfaktor bringt als das sinnlose veröffentlichen von Gefühlszuständen und Freizeitaktivitäten. Ganz anders sehene das die Anwesenden Nachwuchs-Journalisten, die über Handys und Laptops jede Menge Einwände, Fragen und dumme Kommentare an die Leinwand werfen. Das soll unser Nachwuchs sein? Na dann gute Nacht, Marie!

Und nun genug auf Twitter herumgeprügelt. Wer bis hier hin gelesen hat interessiert sich vielleicht wirklich für die Qualitätsfrage. Ich hatte ja bereits erwähnt, dass die Diskussionsteilnehmer hier zu keinem echten Ergebnis gekommen sind. Und so geht es mir auch, denn Qualität bleibt immer eine Sache der Abwägung. Wenn ich einen Kinotrailer durch zu hohe Kompression und Skalierung in Pixelgulasch verwandle, bringt das echte Cineasten mit 99,9 prozentiger Wahrscheinlichkeit zur Weißglut. Über das verwackelte Handy-Video vom Hudson River wird sich dagegen wohl kaum jemand beschweren, wenn man den Airbus darauf wirklich aufsetzen sieht. Offen bleibt dabei allerdings, ob man wirklich jeden Scheiß als Video festhalten muss. Doch das ist eine andere Diskussuion. In diesem Sinne: schönen Sonntag!

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Frank Syré, Klaus Meier, Markus Hündgen, Mediale, Twitter, Uwe Niemeier, Videojournalismus, Videos
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