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Parallelwelten

Bastian | 23/06/2009 | 00:01

Eigentlich wollte ich heute Abend über Zensursula und ihr dämöiches Gesetz abledern, Neda Soltani hat mich jedoch eines besseren belehrt. Der Tod dieses jungen Mädchens, den ich wie viele andere für echt halten, bewegt selbst täglich mit Bildern von Unfällen und Toten überflutete Redakteure wie mich. Es ist eine Sache, über Tote und verletzte zu schreiben, aber eine ganz andere jemandem beim sterben in die Augen zu sehen. Und auch wenn das Bild verwackelt ist, kann man genau das tun. Wie viele andere Managzine haben die Kollegen des Sterns Stern haben diesem tragischen Tod auf Teherans Straßen ein paar Zeilen gewidment. Und auch wenn der zweite Text über die dpa kommt, sind doch einige interessante Schlussfolgerungen enthalten. Vor allem der Teil über die Solidarisierung im Internet.

Die Reaktionen auf das Video sind gewaltig. Facebook, Twitter, Wikipedia. Die Seiten sind voll mit Kommentaren und Beileidsbekundungen, in einigen sozialen Netzwerken haben sich bereits Gruppen gebildet. “Free Iran”, “Never forget the voice” und wie sie alle heißen mögen. Und so sehr mich das Video bewegt, stehe ich dem Aktivismus ratlos gegenüber. Ja, es gibt eine unschuldige Tote, aber es ist nicht die erste und nicht die letzte. In Filmen sind solche Szenen Schlüsselelemente, in den vielen Krisenherden dieser Welt traurige Realität. Und das schlimmste daran ist nicht einmal, dass die Aktivisten wahrscheinlich nicht einmal drei davon beim Namen nennen können, sondern außer dem Video vom Iran keinen blassen Schimmer haben.

Es ist in Ordnung, wenn die Menschen in diesem Land eine Stimme gefunden haben, vielleicht sollte sich der Rest der Welt jedoch überlegen warum es erst den Tod einer jungen frau braucht um sich neben Twitter, iPhone-Apps und anderem Scheißdreck auch mal zwei Minuten mit den wichtigen Dingen im Leben zu beschäftigen. Also schauen wir mal, wie lange der Hype anhält und wie viele Einträge sich in einem Jahr zu diesem Thema finden. Auf den 20. Juni 2010 habe ich mir vorhin einen Reminder in Outlook gesetzt. Beantwortet wird die Frage also in enem Jahr an derselben Stelle.

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Iran, Neda Soltani, Web 2.0, Web-Kultur
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Stille Post

Bastian | 21/03/2009 | 22:19

Während der Lektüre von Nachrichten im Internet stolpere ich immer wieder über Meldungen, die jegliche Angaben von Quellen vermissen lassen. Das letzte Mal heute Mittag beim Express, der über den sensationell hohen Strafzettel des finnischen Unternehmers Juri Bär berichtet. 112.000 Euro soll der finische Millionär zahlen, weil er 22 Kilometer zu schnell gefahren ist. Eine gute Geschichte, die jedoch völlig verfremdet ist. Der Express gibt nicht an, woher die Informationen stammen und dazu ist der Name des Millionärs verschwunden, der eigentlich genannt wurde. Eigentlich, denn bis zu ihrem Erscheinen beim Express hat die News bereits einige Stationen durchlaufen.

Mit ein wenig Google findet sich derselbe Text noch einmal bei den Shortnews von Stern, die wiederum auf die Nachrichten bei Evocars verweisen. Korrekt ist das jedoch auch nicht, denn auch Evovars verwertet die Nachricht nur weiter. Der eigentliche Absender ist die Online-Ausgabe der finnischen Zeitung Savon Sanomat, wo die Meldung am 5. März erschienen ist. Zitiert wird die Meldung noch an anderen Stellen im World Wide Web, doch letzten Endes führen alle Wege nach Rom, oder besser gesagt nach Finnland.

Und auch wenn der Text auf Finnisch verfasst ist, wird mit einem der vielen Online-Übersetzer schnell deutlich, dass hier mit großer Wahrscheinlichkeit der Ursprung des Textes liegt. Und es stellt sich die berechtigte Frage, wieso sich beim Abschreiben von Nachrichten solch katastrophale Fehler in der Berichterstattung einschleichen. Vielleicht mag es der Nettiquette entsprechen, den eigentlichen Finder der Nachricht lobenswert zu erwähnen, zur Quelle macht ihn das noch lange nicht. Für den Leser muss klar sein wer der Absender der Botschaft ist.

Und als wäre das nicht genug, scheinen die meisten Schreiber und Abschreiber auch mit einem extremen Mangel an Allgemeinwissen ausgestattet zu sein. Denn solch hohe Strafen sind in Finnland keine Seltenheit. Am meisten Aufsehen erregte sicherlich das Bußgeld gegen Anssi Vanjoki, der damals wie heute im Vorstand von Nokia sitzt. Auch er sollte mehr als 100.000 Euro Strafe fürs Rasen zahlen, schaffte es aber das Bußgeld zu drücken.

Diese Information hätte den Text sicherlich spannender gemacht, denn die Ausgangslage war ähnlich. Bei beiden war die Summe exorbitant hoch, weil in der Vergangenheit mit Aktienverkäufen viel Geld verdient wurde und Knöllchen in Finnland auf Basis des durschnittlichen Einkommens berechnet werden. Aktienverkäufe fließen hier mit ein. Vanjoki machte diesen Sonderffekt geltend und drückte die Strafe am Ende so auf schlappe 5900 Euro. Immer noch viel, aber in der Gehaltsklasse einfach eine Shopping-Tour weniger.

Die Chancen für Bär stehen also gar nicht schlecht, aber warum den Leser mit so viel Zusatzinformationen nerven? Genau wie mit dem Umstand, dass es neben Bär und Vanjoki noch einen dritten prominenten Sünder gab: den Multimillionär Jussi Salonoja. Der wurde 2004 geblitzt und sollte insgesamt 170.000 Euro zahlen. Ob er sich ebenfalls aus der Affäre winden konnte ist mir unbekannt, denn nach zehn Minuten Suche ist mir die Lust vergangen. Wenn das ausgebildete Redakteure nicht machen, warum sollte ich dann?

(Dieser Beitrag ist Stefan Niggemeier und seiner unermüdlichen Arbeit für besseren Journalismus gewidmet)

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Quellenangaben, Schlechte Recherche, Stille Post, Web 2.0
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Blogst Du noch, oder twitterst Du schon?

Bastian | 03/03/2009 | 16:30

Mit dem Thema Twitter habe ich mich ja neulich einmal beschäftigt, zu diesem Zeitpunkt jedoch eher Randnotiz zu einem anderen Thema. Inzwischen bin ich Power-User. Eigentlich habe ich den Account nur, um die Spielentwickler bei DICE , den PR-Kanal von EA und den Community-Manager von Battlefield Heroes im Auge zu behalten. Eigentlich, denn praktisch mache ich doch mit. Die Versuchung, die Tweets der anderen zu kommentieren, ist einfach zu hoch. Gestern habe ich mir den ersten Kickban eingefangen als ich BlondeGam3r gefragt habe, wie oft sie denselben Link noch posten möchten.

Aber ich schweife ab, denn meine Ausflüge in die virtuelle Welt kann jeder selbst nachlesen. Heute geht es um die Plattform an sich und einige interessante Links dazu. Der erste befasst sich mit dem Tool Twitterfeed, mit dem sich RSS-Feeds und Twitter kombinieren lassen. Der Inhabe der Accounts muss nicht mehr selbst schreiben, sondern seine Nachrichten landen automatisiert aus dem Feed im Tweet. Sehr Praktisch, aber auch furchtbar unpersönlich. Wenn ich einen RSS-Feed abonnieren möchte, nutze ich meinen Feedreader.

Wer nicht auf  Technik steht, lässt sich vielleicht von der Businessweek überzeugen. Dort ist ein interessanter Artikel erschienen, in dem sich Peter Thiel aus dem Hause Facebook zum gescheiterten Übernahmeversuch von Twitter äußert. Das Rennen um den Dienst ist also wieder offen und vielleicht schnappt ja Google zu. Zumindest ist das die Meinung eines unserer Geschäftspartner, der dieses Szenario jüngst in einem Meeting ins Gespräch brachte.

Wen auch das nicht vom Hocker reißt, der schaut einfach bei YouTube vorbei auf der Website der Daily Show vorbei . Dort findet sich (noch) eine herrliche Persiflage von Jon Stewart auf Twitter und andere Web-2.0-Applikationen. Schenkelklopfer garantiert. Freunde des geschriebenen Worts finden bei The Daily Beast  eine beißende Kritik von Mark McKinnon, der so gar kein gutes Haar an Twitter lässt. Aber irgendwo hat er Recht. Wer nichts zu sagen hat, sollte besser mal die…. und deshalb mache ich hier auch Schluss

(Mit Dank an Rory McCafferty und GraphicBooster für den Input)

Nachtrag am 14.3.2009: Der herrlichen Beitrag von Jon Stewart ist nun wieder mit einem funktionierenden Link versehen und auch hier eingebunden:

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Businessweek, Faithbook, Jon Stewart, Mark McKinnon, Twitter, Twitterfeed, Web 2.0
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Zeit für ein Knoppers

Bastian | 02/02/2009 | 22:49

Montagabend kurz nach halb zehn. Zeit für ein Knoppers, oder ein Krombacher. So genau weiß ich das noch nicht. Genausowenig bin ich mir über den Tenor des Textes sicher. Wie soll man auch die gesammelten Gedanken zum Internet in einen einzigen Blog-Eintrag zwängen. Eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit, doch zwischen der ganzen Kritik am täglichen Bullshit-Bingo muss ein wenig Zeit zum Spinnen von Gedanken bleiben. Und davon wandern in letzter Zeit viele durch meinen Kopf.

Sonntagmorgen zum Beispiel, als ich Karl aus den Vereinigten Staaten erklärt habe, wie er eine Modifikation für sein Computerspiel installiert. Unter normalen Umständen hätten Karl und ich uns nie kennengelernt und vor gerade einmal zehn Jahren hätte er die Frage nicht mir oder jemand anderem gestellt, der zufällig eine Website über das Spiel betreibt. Er hätte seine Eltern oder Freunde gefragt oder einfach weiter probieren müssen. Und daran wird deutlich, wie grundlegend und allumfassend das Internet diese Gesellschaft verändern wird. Zumindest wenn alle einen Zugang erhalten.

Ich kann plötzlich Nachrichten aus aller Welt lesen, zu denen ich früher bestenfalls über das Angebot im Bücherladen an größeren Bahnhöfen Zugang erhalten hätte. Ich kann jede nur erdenkliche Frage in die Maske einer Suchmaschine eingeben und egal wie bescheuert sie auch sein mag, wurde sie mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit schon einmal gestellt. Dieses in hunderttausende Zeilen Spam verpackte Wissen fasziniert mich, hat es mir doch schon so unendlich viele Male bei der Lösung von Problemen geholfen.

Und nicht nur am Rechner macht sich dieses Wissen breit, sondern auch immer mehr abseits der interaktiven Welt. Wer erinnert sich noch an ungelöste Diskussionen über ein Thema oder einen Sachverhalt, bei der mehere Seiten von sich behaupten, im Recht zu sein. Zum Beispiel in der Frage, ob ein Delfin nun ein Wal ist oder nicht. Früher wäre diese Diskussion ohne Ergebnis geblieben. Man hätte sie vergessen, vielleicht den Brockhaus gewälzt und beim nächsten Treffen einen Sieg gefeiert oder die Niederlage weggesteckt. Und heute? Wird das Telefon befragt, das gleichsam als Joker die abgespeckte Version von Wikipedia ausspuckt.

Wahnsinn. Absoluter Wahnsinn, der immer weiter geht. Dich dabei geht auch immer mehr Wissen verloren. Wie etwas geht, nicht geht oder funktioniert, wird heute nicht mehr langsam erlent, sondern bei Bedarf auf YouTube abgerufen. Wie binde ich eine Krawatte, wie spiele ich Gitarre und wie stricke ich die perfekte Masche. Wissen auf Abruf, um den ohnehin schon vollen Speicher nicht noch weiter zu überlasten. Aber um welchen Preis? Manch junger Mensch kann selbst einen Computer zusammenbauen, 3d-Modelle mit Maya erstellen und jedes Web 2.0 bedienen als hätte er selbst entwickelt. Dafür kommt weder aus dem Mund noch aus der Tastatur ein klarer Satz und selbst die Frage nach der Bundeskanzlerin endet mit stottern.

Bei aller Faszination birgt die Technik also eine Gefahr und ein ums andere Mal fühle ich mich an Wall-E und Iva erinnert, die auf einem Raumschiff von der Technik und der Schwerelosigkeit völlig verfette und verblödete Menschen aufrütteln müssen. Und bei allem Hype um Trends und Tools und Technologien  frage ich mich immer was eigentlich passiert, wenn mal der Strom weg ist. So ein Brockhaus hat nämlich einen entscheidenden Vorteil: er funktioniert auch ohne Steckdose. Also öfter mal einen Gang zurükschalten und statt dem hundert und elften Blog ein Buch in die Hand nehmen.

Schönen Abend noch

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Brockhaus, Online, Quatsch mit Soße, Web 2.0, Wikipedia, YouTube
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